Venezuela / Politik

Venezuela liefert Drogenhändler aus

Überstellung eines der letzten Köpfe des kolumbianischen "Norte del Valle"-Kartells an die USA. Uneinigkeit über Drogenbekämpfung

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Suchanzeige Drogenboss "Beto Rentería"
In Venezuela gefasst: Drogenboss "Beto Rentería"

Caracas. Venezuela wird der US-amerikanischen Drogen­bekämpfungs­behörde DEA drei international gesuchte Drogenhändler überstellen. Dies bestätigte der venezolanische Innenminister Tarek El Aissami am Montag gegenüber Medien. Vor einer Woche war in der Hauptstadt Caracas einer der verbleibenden Köpfe des kolumbianischen "Norte del Valle"-Kartells festgenommen worden. Das Kartell gilt als eine der größten Organisationen im Drogenhandel Kolumbiens und war nach der Zerschlagung der Kartelle von Medellín und Cali Mitte der 1990er Jahre entstanden.

Carlos Alberto Rentería Mantilla alias "Beto Rentería" wurde seit 2004 mit internationalem Haftbefehl von Interpol gesucht und fungierte Medienberichten zufolge unter den zehn von der DEA meistgesuchten Verbrecher. Die US-amerikanischen Behörden hatten eine Belohnung von fünf Millionen US-Dollar für seine Ergreifung ausgesetzt. Rentería wird unter anderem der Verkauf und Transport von 500 Tonnen Kokain in die USA vorgeworfen.

Mit Rentería werden Luis Frank Tello und Carlos Alberto Ojeda an die USA ausgeliefert. Die beiden, ebenfalls aus Kolumbien stammenden Männer wurden in Caracas und im östlichen Bundesstaat Anzoátegui festgenommen. Auch ihnen wird die Verwicklung in internationale Drogengeschäfte vorgeworfen.

Die venezolanische Regierung sieht sich durch die Festnahmen in der Korrektheit ihrer Entscheidung bestätigt, die DEA des Landes zu verweisen. Mitte 2005 hatte die Regierung erklärt, die US-Drogenbehörde nicht weiter im Land zu dulden. Präsident Chávez warf der Organisation vor, in Spionageaktivitäten verwickelt zu sein und sich in interne Angelegenheiten des Landes einzumischen. Drei Jahre später entschied auch die bolivianische Regierung, die DEA auszuweisen. Der Präsident des Andenlandes, Evo Morales, begründete den Schritt damit, dass die DEA-Agenten Spionage betrieben und gewalttätige oppositionelle Gruppen finanzierten. Seitdem wirft die DEA Venezuela und Bolivien immer wieder vor, nicht ausreichend bei der Drogenbekämpfung zu kooperieren. Jüngst beschuldigte die Behörde die venezolanische Regierung, in die Wäsche von Drogengeldern verstrickt zu sein.

Die Regierung unter Hugo Chávez verweist hingegen auf die Erfolge, die seit dem Ende der Arbeit der DEA in Venezuela verzeichnet worden seien. Seit 2005 habe man bereits 48 Drogenbosse festgenommen. Erst diese Woche verkündete der Direktor der venezolanischen Kriminalpolizei CICPC, Wilmer Flores Trosel, einen weiteren Erfolg. Auf der Touristeninsel Margarita im Bundesstaat Nueva Esparta war der venezolanischen Polizei Aldo Enrique Forero Alva ins Netz gegangen. Der Ex-Polizist aus Peru, der in die Produktion und den Handel von Kokain verwickelt sein soll, ist der dreizehnte international gesuchte Drogenhändler, den die venezolanischen Behörden in diesem Jahr greifen konnten.

Im östlichen Bundesstaat Anzoátegui war es der Polizei gelungen, eine Ladung mit 4,5 Tonnen Marihuana sicherzustellen. Die Drogen stammten aus Kolumbien und seien in einem Tanklastwagen versteckt gewesen, erklärte Flores Trosel. Es handele sich um eine der größten Funde geschmuggelter Drogen in der Geschichte des Landes. Darüber hinaus seien in diesem Jahr bereits zwölf Drogenlabore ausgehoben worden.

Aussagen des Innenministers Tarek El Aissami zufolge, summierten die Beschlagnahmten Drogen im Laufe dieses Jahres bereits 33 Tonnen. Dies zeige, dass die Drogenbekämpfung effektiver geworden sei, seitdem die US-amerikanische Drogenbehörde DEA des Landes verwiesen wurde. "Als die DEA in Venezuela war, erreichte die Konfiszierung nie mehr als 25 Tonnen. Jetzt sind wir bei fast 60 Tonnen pro Jahr", erklärte der Minister.

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