US-Regierung drängte auf Geiselmord

Geheimdienstpapiere: Nixon-Führung wollte in Uruguay gefangene Rebellen ermorden lassen, um einen Agenten zu retten. Schlaglicht auf aktuelle Konflikte

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Geiselmord "jetzt ansprechen": Telegramm an die US-Botschaft in Montevideo
Geiselmord "jetzt ansprechen": Telegramm an die US-Botschaft in Montevideo

Washington/Montevideo. Die US-Regierung hat nach der Entführung ihres Agenten Daniel Mitrone durch Mitglieder der Organisation MLN-Tupamaros 1970 in Uruguay darauf gedrängt, gefangene Rebellen zu ermorden. Das geht aus Regierungs- und Geheimdienstdokumenten hervor, die mit Hilfe des US-amerikanischen Informationsfreiheitsgesetzes publiziert werden konnten. Veröffentlicht wurden die Unterlagen von der regierungsunabhängigen Forschungsstelle National Security Institute.
 
Der Fall Mitrone ist dabei nicht nur geschichtlich, sondern auch aktuell von politischem Interesse. Unter dem amtierenden uruguayischen Präsidenten José "Pepe" Mujica – einem ehemaligen Guerillero – werden die Fälle politischer Morde juristisch aufgearbeitet.

Daniel Mitrone, ein Polizist aus dem US-Bundesstaat Indiana, war unter Aufsicht des US-Geheimdienstes CIA seit Mitte der 1960er Jahre nach Südamerika entsendet worden. Nach Einsätzen in Brasilien wurde er nach Uruguay entsandt, um Mitglieder der Geheimpolizei DNII auszubilden. Schon damals wurden Vorwürfe gegen ihn laut, nach denen er die Behörden in Foltermethoden ausbildete.

Aus den nun veröffentlichten Unterlagen geht hervor, dass Washingtons Außenminister William P. Rogers den US-Botschafter in Montevideo, Charles Adair, in der heißen Verhandlungsphase am 9. August 1970 in einem Telegramm aufforderte, die Regierung des südamerikanischen Landes zur Ermordung von Geiseln zu drängen. Man nehme an, "dass die Regierung erwogen hat, mit der Tötung von (MLN-Rebellenführer Raúl) Sendic und anderen MLN-Gefangenen zu drohen, wenn Mitrone getötet wird", heißt es in der Nachricht: "Wenn dies nicht geschehen ist, sollten Sie das jetzt ansprechen." Botschafter Adair bestätigte das Vorgehen wenige Minuten später. Die Gefangenen seien darauf hingewiesen worden, dass Todesschwadrone gegen ihre Familienangehörigen vorgehen werden, wenn Mitrone etwas zustoße.

Die uruguayische Sachbuchautorin und Universitätsprofessorin Clara Aldrighi erklärt: Die nun veröffentlichten US-Dokumente belegen, dass diese Killerkommandos "ein Teil der damaligen Politik waren". Zugleich dürften die Veröffentlichungen die Debatte um die aktuelle US-Politik in Südamerika anheizen. Mitrone hielt sich seinerzeit schließlich als Mitarbeiter der US-Entwicklungsbehörde USAID im Rahmen des Polizeiausbildungsprogramms OPS in Brasilien und Uruguay auf. Gegen die USAID wurden in den vergangenen Jahren erneut massive Vorwürfe laut.

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