Boliviens Kirche paktiert mit Ultrarechten

Bischofskonferenz trifft Mitglieder der radikalen Organisation UnoAmérica. Unterstützung für regierungsfeindlichen Klerus auch aus Deutschland

unoamerica.jpg

Internetseite von UnoAmérica
Internetseite von UnoAmérica

La Paz. Kritische Mitglieder der bolivianischen Kirche haben mögliche Verstrickungen zwischen der Lateinamerikanischen Bischofskonferenz (CELAM) mit der ultrarechten Opposition im Lande scharf gerügt. Raymundo Damsceno, Präsident der CELAM, habe in der brasilianischen Stadt Aparecida die Führung der Gruppierung UnoAmérica empfangen und gesegnet, vermeldete zu Wochenbeginn das vom Jesuiten José Grammut geleitete Radio Fides unter Bezugnahme auf die Webseite von UnoAmérica.

UnoAmérica ist eine konservativ-radikale NRO, die von argentinischen Faschisten und Ex-Generälen der argentinischen Militärdiktaturen ins Leben gerufen wurde. 

In Bolivien hätten sich CELAM und UnoAmérica für die Freilassung von Leopolado Fernández stark gemacht und ihn im Gefängnis besucht, berichtete Radio Erbol am Mittwoch. Der Ex-Präfekt ist wegen des Massakers im Departement Pando in Untersuchungshaft. Am 11. September 2008 hatten Angestellte der oppositionellen Präfektur dort 18 indigene Bauern und Anhänger der Linksregierung von Evo Morales ermordet.

Sie schätzen unsere Berichterstattung?

Dann spenden Sie für amerika21 und unterstützen unsere aktuellen, hintergründigen und professionellen Beiträge über das Geschehen in Lateinamerika und der Karibik.

Damit alle Inhalte von amerika21.de weiterhin für Alle kostenlos verfügbar sind.

Ihr amerika21-Team

UnoAmérica erklärte das Massaker damals, nachdem eine unabhängige Kommission der Union Südamerikanischer Nationen (UNASUR) als schweren Verstoß gegen die Menschenrechte verurteilt hatte, als eine "Inszenierung der Morales-Regierung". Diese vertrete zusammen mit den Linksregierungen aus Ecuador, Venezuela, Argentinien und Brasilien ein "materialistisches und atheistisches Projekt", das "gegen unsere christlichen Wurzeln ein totalitäres System" zu errichten versuche. 

Kritik äußerte Jesuit Gramunt auch an einer jüngsten Erklärung der bolivianischen Bischofskonferenz, die in einer Erklärung die offen regierungskritischen Medien des Andenlandes als "würdige Hüter der Kirche" bezeichnet hatte. Die Theologische Fakultät Trier hatte  Boliviens Kirchenoberhaupt Julio Terrazas vergangene Woche die Ehrendoktorwürde verliehen mit der Begrünung, er erhebe die "Stimme der Kirche" in einem Land, in dem "die Opposition fast völlig zum Schweigen gebracht wurde".

Wie überall in Lateinamerika ist auch Boliviens Medienlandschaft stark monopolisiert, die wichtigsten TV-Sender und Tageszeitungen gehören wenigen Privateigentümern.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr