Frauen wollen Karneval protestierend feiern

Tausende Gewerkschafterinnen wollen kreativ für ihre Rechte demonstrieren. Karnevalsdienstag ist internationaler Frauentag

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Frauen in Brasilien wollen auch an Karneval protestieren
Frauen in Brasilien wollen auch an Karneval protestieren

Brasília. Tausende Frauen des brasilianischen Gewerkschaftsdachverbands CUT wollen am internationalen Frauentag am 8. März den Karnevalsdienstag protestierend feiern. Dies kündigte die Gewerkschaft auf ihrer Internetseite an. Die Gewerkschafterinnen beabsichtigen, an den landesweiten Feierlichkeiten mit Kostümen, Plakaten, Sprechchören, Darbietungen und Transparenten teilzunehmen und auch eigene Karnevalsblöcke zu formieren. Die Proteste richten sich gegen Praktiken ungleicher Entlohnung für gleiche Arbeit bei Frauen im Vergleich zu Männern. Die Gewerkschafterinnen fordern auch eine Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes.

In Brasilien erhält laut Zahlen des Arbeitsministeriums jede zehnte Frau nur den einfachen Mindestlohn, bei den Männern ist dies im Vergleich nur jeder zwanzigste. Laut dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen belegt Brasilien den 80. Platz unter den 138 Ländern, die in Bezug auf die Chancengleichheit von Männern und Frauen untersucht wurden.

Die Gewerkschaft weist auch auf das anhaltende Problem der Gewalt gegen Frauen hin. So werde diese eines der zentralen Themen sein, mit denen sich die Proteste beschäftigen werden. Während ein Fünftel aller brasilianischen Frauen Gewalt durch Männer erlebten, gestehen nur acht Prozent der Männer ein, bereits eine Frau angegriffen zu haben. Dies geht aus der im vergangenen Jahr durchgeführten Erhebung der Fundação Perseu Abramo hervor, aus der die Agentur Radioagência NP zitiert.

In Brasilien wurden in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres 340.000 Fälle von häuslicher Gewalt von den Opfern zur Anzeige gebracht. Dass gegen die Täter ermittelt wird, ist auch dem Erfolg des Gesetzes Nr.11.340, dem so genannten "Maria da Penha-Gesetz", zuzuschreiben. Maria da Penha wurde während sechs Jahren von ihrem Ehemann angegriffen, zwei Mal versuchte er sie zu ermorden. Einmal schoss er auf sie, seither ist sie querschnittsgelähmt. Beim zweiten Mal versuchte er, sie per Stromschlag umzubringen und sie zu ertränken. Der Ehemann war daraufhin insgesamt nur zwei Jahre in Haft.

Die Regierung Lula hatte das Gesetz 2006 verabschiedet, um häusliche Gewalt als Straftat zu behandeln und nicht als Privatangelegenheit. Flankiert wurde es durch effektivere Instrumente des Opfer- und Kinderschutzes. Jedoch ist laut Radioagência NP die Umsetzung des Gesetzes noch nicht gegeben: Erst im Januar dieses Jahres hatte ein Gericht entschieden, dass das Maria da Penha-Gesetz in Fällen minderer Schwere von häuslicher Gewalt nicht anzuwenden sei.

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