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Deutsche Kredite für Paramilitär-Chef

Agrarunternehmer beantragte Millionengelder einer KfW-Gesellschaft. Antragsteller werden Dutzende Morde zur Last gelegt
Ermordete Mauern in der Region Aguan im Norden bon Honduras

Kreditwürdig? - Ermordete Bauern in der Region Aguan im Norden von Honduras

Quelle: ellibertador.hn

Hamburg/Tegucigalpa. Der Palmölkonzern Corporación Dinant des honduranischen Agrarmoguls Miguel Facussé hat laut Informationen der Nichtregierungsorganisation Rettet den Regenwald bei der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft (DEG) einen Kredit in Höhe von 20 Millionen US-Dollar beantragt. Die bundeseigene DEG prüft derzeit ein entsprechendes Gesuch, wie gegenüber Rettet den Regenwald schriftlich bestätigte wurde.

Die DEG ist eine Tochtergesellschaft der staatlichen deutschen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW).

Facussé wird für die Eskalation des Landkonfliktes in der Region Bajo Aguán verantwortlich gemacht. Laut einem Bericht, welcher kürzlich von Menschenrechtsorganisationen an die interamerikanische Menschenrechtskommission übergeben wurde, werden Facussés privatem Sicherheitsdienst 25 Morde an Kleinbauern und Aktivisten angelastet.

Facussé unterhalte eine 200 Mann starke Privatarmee, darunter Paramilitärs aus Kolumbien, heißt es in einem Bericht der deutschen Nichtregierungsorganisation. Durch diese paramilitärischen Kräfte lasse der Palmölkonzern Dinant die Menschen im Aguan-Tal im Norden von Honduras terrorisieren und ermorden, hatte zuvor auch das Entwicklungsjournal Welt Sichten berichtet. 
“Sie erschießen Bauern wie Tiere“, habe eine Aktivistin gegenüber einer Menschenrechts- und Mediendelegation aus Deutschland und Österreich berichtet. Bereits im Januar 2009 genehmigte die International Finance Corporation (IFC), der für die Privatwirtschaft zuständige Teil der Weltbank, der Corporación Dinant einen 30-Millionen-US-Dollar-Kredit.

Rettet den Regenwald fordert in einer E-Mail-Aktion Weltbank und DEG auf, keine Kredite und Entwicklungsgelder an die Palmölindustrie zu geben. Die riesigen Monokulturen sind weder umweltfreundlich noch kommen sie den Menschen zugute, heißt es im Aufruf der Protestaktion.

Vor wenigen Wochen erst hatte der deutsche FDP-Politiker und Staatssekretär des Entwicklungsministeriums, Hans-Jürgen Beerfeltz, der De-facto-Regierung in Honduras Fördermittel in Höhe von 47 Millionen Euro zugesagt. Innerhalb der Europäischen Union hatte sich auch Deutschland zudem dafür eingesetzt, dass 44 Millionen Euro im Rahmen des Polizei- und Armeeprogramms PASS nach Honduras fließen.

Zahlreiche lateinamerikanische und karibische Staaten erkennen die De-facto-Führung in Honduras nach wie vor nicht an, weil sie indirekt aus dem Putschregime gegen die letzte demokratisch gewählte Regierung Ende Juni 2009 hervorgegangen ist.

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