Viel Kritik auf Aktionärstreffen von Bergbaukonzern

Proteste gegen Brasiliens Bergbauriesen Vale. Soziale Bewegungen kritisieren Umweltverschmutzung und Menschenrechtsverletzungen

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Protest gegen Vale
Protest gegen Bergbauriesen Vale auf Aktionärsversammlung in Rio de Janeiro

Rio de Janeiro. Vertreter sozialer Bewegungen und Organisationen aus Brasilien haben am Dienstag in Rio de Janeiro gemeinsam mit brasilianischen und kanadischen Gewerkschaftern auf der Aktionärsversammlung des zweitgrößten Bergbaukonzern der Welt, der brasilianischen Vale, gegen die Politik des Konzerns weltweit protestiert. Sie warfen dem Konzern Umweltverschmutzung, Menschenrechtsverletzungen und das Schüren von Arbeitskonflikten vor. Dies berichteten die Demonstrierenden gegenüber amerika21.

Der Protest fand vor dem Firmensitz von Vale mit Plakaten und Sprechchören statt. Mehrere Demonstrierende hatten sich im Vorfeld Aktien des umstrittenen Konzerns gekauft, um den Protest auch in die Aktionärsversammlung als Redner mit Stimmrecht zu tragen. Ein kanadischer Gewerkschafter, der am einjährigen Streik bei der Vale-Tochter Vale Inco 2009-2010 in Kanada teilgenommen hatte, wurde ebenso wie ein Priester sowie die Vertreterin der United Steel Workers an der Teilnahme der Aktionärsversammlung gehindert, da laut Ansicht von Vale das Stimm- und Rederecht der von den Gewerkschaftern vorgezeigten "American Depositary Receipt"-Aktien bei der sie verwaltenden US-Bank JP Morgan liege. Der einjährige Streik ‌der kanadischen Arbeiter bei Vale Inco hatte im Juli 2010 geendet, nachdem 74 Prozent der Arbeiter für die neue Betriebsvereinbarung mit der Firmenleitung gestimmt hatten.

Die vom Konzern wegen in Brasilien erworbener Aktien zur Aktionärsversammlung zugelassenen Protestierenden nutzten ihr Rederecht vor  nur etwa 30 anwesenden Aktionären, um laut Presseberichten einen "Trommelhagel an Fragen" in Bezug auf die Probleme lokaler Anwohner von Vales Bergbauprojekten zu stellen sowie die Arbeitssituation in Kanada zu hinterfragen. Der Aufsichtsratschef von Vale, Ricardo Flores, antwortete auf die Kritik, die Aktionäre hätten "jedes Mal mehr Transparenz, Stimme und Partizipation an der Firma".

Vale hatte im vergangenen Jahr laut eigenen Angaben einen "sternenhaften Auftritt" mit einem Ergebnis von 21,7 Milliarden US-Dollar Gewinn vor Zinsen und Steuern hingelegt. Bei einem Umsatz von 46,5 Milliarden US-Dollar war dem Konzern eine operative Marge von 47,9 Prozent gelungen, so Vale. Der Konzern zahlt den Kapitaleignern des Konzerns dieses Jahr umgerechnet vier Milliarden US-Dollar Dividende.

Infolge politischer Differenzen über die strategische Ausrichtung des Konzerns wurde der bisherige Vale-Chef Roger Agnelli Anfang April dieses Jahres abgelöst. Die brasilianische Regierung, die noch eigene Aktien am ehemaligen Staatskonzern Vale sowie Anteile über die Entwicklungsbank BNDES hält, will den Konzern auf mehr Binnenorientierung lenken. Die Regierung der neuen Präsidentin Dilma Rousseff will dazu auch eine Exportsteuer auf Erze einführen, um dergestalt indirekt den Anteil inländischer Wertschöpfung zu erhöhen. Dieses Ziel impliziert aber auch mehr umweltverschmutzende Stahlwerke – die Regierung Dilma bleibt darin dem Mantra der Vorgängerregierung gleich, die als Entwicklungsmotor stets "Stahlwerke, Stahlwerke, Stahlwerke" gepredigt hatte.

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