Yasuní-ITT-Initiative in Ecuador gefährdet

Minister: Ohne größere Unterstützung startet Erdölförderung im Regenwald. Noch Hoffnung auf deutschen Beitrag. Auch private Spenden möglich

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der ecuadorianische Minister für fossile Energieträger Wilson Pástor
Minister Wilson Pástor befürchtet ein Scheitern der Yasuní-ITT-Umweltschutzinitiative

Quito. Erst 1,6 Millionen US-Dollar sind seitens der internationalen Staatengemeinschaft für die Erhaltung des Nationalparks Yasuní in Ecuador zugesagt. Wilson Pástor, der ecuadorianische Minister für fossile Energieträger, erwog angesichts dieser Zahlen vergangene Woche konkret den so genannten Plan B - die Förderung des im Regenwaldschutzgebiet lagernden Erdöls. Man werde nicht "unendlich lange auf die Entscheidung der internationalen Gemeinschaft warten", zitiert ihn die Nachrichtenagentur IPS.

Bereits Ende 2012 könnte die Ölförderung beginnen, sagte Pástor vergangenen Dienstag bei der Eröffnung einer Konferenz der Lateinamerikanischen Organisation für Energie (OLADE) in Ecuadors Hauptstadt Quito. Sollten bis zum Jahresende nicht mindestens 100 Millionen US-Dollar in den Yasuní-ITT-Treuhandfonds bei der UNO eingezahlt sein, werde man die Förderung einleiten.

Die ecuadorianische Chefunterhändlerin des Umweltministeriums, Ivonne Baki, zeigte sich indes optimistischer und setzte ihre Hoffnung auf die kommende UN-Vollversammlung im September. Wie sie auf einer Pressekonferenz vor internationalen Medien am vergangenen Freitag bekannt gab, werden dort UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon und der ecuadorianische Präsident Rafael Correa gemeinsam für Unterstützung werben.

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Auch auf eine deutsche Zusage hofft Baki weiterhin. Im August werden Mitglieder des Entwicklungsausschuss des Deutschen Bundestages Ecuador besuchen. Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) hatte in Deutschland und Ecuador jedoch für Missgunst gesorgt, nachdem er die unter seiner Vorgängerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) bereits getätigte Unterstützungszusage zurücknahm. Heike Hänsel, LINKE-Abgeordnete und Mitglied des Entwicklungsausschusses des Bundestages, zeigte sich gegenüber amerika21.de verärgert: "Nun will die ecuadorianische Regierung im Yasuní-Park doch Erdöl fördern, dafür ist die Bundesregierung mitverantwortlich. Klimaschutz sieht anders aus!"

Seit Ende Juni läuft gegen die Blockadehaltung des deutschen Entwicklungsministeriums auch eine ePetition im Bundestag. Darin wird die Bundesregierung aufgefordert, sich an der Yasuní-ITT-Initiative zu beteiligen. Und selbst wenn die Petition nicht erfolgreich sein sollte, kann jeder selbst aktiv werden: seit kurzem ist die Unterstützung des UNO-Fonds durch Einzelpersonen möglich.

Im Yasuní Nationalpark lagern 846 Millionen Barrel (je 159 Liter) Erdöl in einem Wert von schätzungsweise 8,6 Milliarden US-Dollar. Seit 2007 wirbt die ecuadorianische Regierung international um die Hälfte dieser Summe und würde sich dafür verpflichten, keine Bohrungen zu gestatten. Das Geld soll in einen UNO-Treuhandfond eingezahlt werden. Bei einer Bohrung würde sich die Summe automatisch in Staatsschulden umwandeln. In den betroffenen Regenwaldgebieten leben auf Basis freiwilliger Isolation mehrere Indigenengemeinschaften, zudem herrscht dort eine weltweit einzigartige Biodiversität.

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