Peru: Demonstration und Streik gegen Goldtagebau

Gravierende Schäden für natürlichen Wasserkreislauf befürchtet. Unbefristeter regionaler Ausstand ausgerufen

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Demonstration gegen die Mine Conga
Demonstration gegen die Mine Conga

Lima/Cajamarca. Etwa 6.000 Menschen haben am vergangenen Donnerstag in der peruanischen Departmentshauptstadt Cajamarca gegen das umstrittene Tagebauprojekt Conga demonstriert. Die Proteste brachten das Geschäftsleben der Stadt zum Erliegen, der öffentliche Nahverkehr in der rund 280.000 Einwohner zählenden Stadt wurde eingestellt. Etwa 1.500 Gegner des Projekts drangen nach Angaben der Betreibergesellschaft Yanacocha zudem auf das Gelände der Mine ein. Dabei sei es trotz Polizeipräsenz zu Sachbeschädigungen gekommen, verletzt wurde niemand.

Das in den Distrikten Huasmín, Sorochuco und Encañada geplante Goldtagebauprojekt der Minengesellschaft Yanacocha ist mit 4,8 Mrd. US-Dollar Investitionen veranschlagt und soll in 19 Jahren mehr als 15 Mrd. US-Dollar einbringen. Betreiber ist mit dem Konzern Yanacocha der größte Goldförderer Südamerikas. Für das geplante Bergbauprojekt will die Bergbaugesellschaft vier Seen verlegen, deren Wasser essentiell für die Versorgung der Region ist. Gegner der Mine fürchten gravierende Schäden für den natürlichen Wasserkreislauf und negative Auswirkungen auf die Wasserstände von Flüssen. Yanacocha argumentiert, dass die vom Konzern an anderer Stelle neu angelegten Seen mehr Wasser speichern würden, als dies bisher der Fall ist. Die lokale Bevölkerung hegt jedoch große Zweifel gegenüber den Versprechen der Betreibergesellschaft, da durch die Bergbauaktivitäten von Yanacocha während der letzten 20 Jahre enorme Umwelt- und Gesundheitsschäden in der Region entstanden sind.

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Sergio Sánchez Ibáñez, ehemaliger Leiter der Abteilung für natürliche Ressourcen in der Regionalregierung von Cajamarca, äußerte Zweifel an der vorgelegten Umweltstudie. Er unterstrich, dass keine Analyse der Auswirkungen des Projekts auf die Wasserqualität des Oberflächenwassers erfolgt sei. Es sei nicht sichergestellt, ob das Wasser abgeleitet werden könne oder für den menschlichen Konsum weiterhin geeignet sei. Seiner Ansicht nach würde die Vernichtung des Bergsees Perol außerdem nicht kalkulierbare hydrologische und hydrogeologische Auswirkungen auf die umliegenden Flussgebiete haben, unterstrich Ibáñez. Die Seen seien wichtig, um den Grundwasserspiegel und ebenso wie die Pegel der Flüsse zu erhalten und ein Gleichgewicht des Wasserhaushalts zu bewahren.

Präsident Humala hatte am 16. November erklärt, dass die noch von der Regierung García genehmigte Umweltstudie "ein juristisches Faktum" sei, das höchstens verbessert oder erweitert werden könne. Man werde Yanacocha grünes Licht geben, sollten alle rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. "Extreme Positionen wie 'entweder Gold oder Wasser' weisen wir zurück", so Humala. Die Regierung wolle soziale Inklusion durch solche Projekte wie Conga finanzieren. Große Teile der Bevölkerung sehen darin jedoch einen Bruch des Wahlversprechens von Humala, Wasser und Lebensqualität der Bevölkerung gegenüber Bergbauinteressen zu verteidigen. Noch im April hatte er während des Wahlkampfes vor Tausenden EinwohnerInnen Cajamarcas gesagt: "Was ist wichtiger? Das Wasser oder das Gold? Warum trinkt ihr kein Gold? Warum esst ihr kein Gold? Hierher darf kein Bergbauprojekt kommen, dass die Grundwasservorräte aufzehrt."

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