Aufstand in Aysén im Süden Chiles

Straßenblockaden, Besetzungen, Demonstrationen in der gesamten Region. Breiter Forderungskatalog. Wenig Verständnis bei Zentralregierung

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Proteste in Puerto Aysén
Proteste in Puerto Aysén

Puerto Aysén, Chile. In der Region Aysén in Patagonien im Süden Chiles wird seit zwei Wochen heftig protestiert.

Die Bewegung begann mit der Besetzung einer Zugangsbrücke zur Stadt Puerto Aysén mit der Fischer und lokale Gruppen gegen ein neues Fischereigesetz sowie die steigenden Gas- und Benzinpreise protestierten. Die Proteste weiteten sich über die gesamte Region und auf weitere Teile der Bevölkerung aus: So wurde vergangene Woche der Flugplatz in Melinka besetzt und eine Landstraße zwischen Puerto Aysén und Puerto Chacabuco blockiert.

Auch an anderen Orten der Region finden Demonstrationen, Straßenblockaden, Flugplatz- und Hafenbesetzungen statt. Die Polizei setzte immer wieder massiv Tränengas und Wasserwerfer gegen die Protestierenden ein. Ein Mann wurde durch ein Geschoss so schwer verletzt, dass er auf einem Auge erblindete.

Das breite Bündnis unter anderem aus Fischern, Umwelt-, indigenen und sozialen Organisationen, Gewerkschaften, Bürgerinitiativen sowie Studierenden hat einen breiten Katalog von Forderungen aufgestellt: So sollen die hohen Gas- und Benzinpreise gesenkt und das Gesundheitssystem der Region verbessert werden. Sie fordern eine regionale Universität, Zuschüsse zu den hohen Lebenshaltungskosten, einen regionaler Mindestlohn, die Regionalisierung der Ressourcen und die Einführung von Referenden zu regionalen Themen.

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Hintergrund ist, dass die Lebenshaltenskosten der Region zum Teil doppelt bis dreifach so hoch wie in anderen Teilen Chiles, das Lohnniveau und die Pensionen aber nicht entsprechend angepasst sind. Zudem gibt es erhebliche Mängel bei der lokalen Gesundheitsversorgung. So fehlt es in Kliniken vor Ort an Fachärzten. Die Fischer fürchten zudem um ihre Lebensgrundlage und die Ausbeutung der Fischressourcen, sollte ein neues Gesetz durchkommen, dass die industrielle Fischerei weiter begünstigt und die lokale Kleinfischerei benachteiligt.

Bei einem Treffen von Vertretern der Protestierenden mit der Regional-Intendantin Pilar Cuevas wurden einzelne regionale Notlösungen vereinbart sowie eine weitgehende Zurückhaltung der Carabineros zugesagt. Die Forderungen richten sich aber hauptsächlich an die Zentralregierung. Vor einigen Tagen reiste deshalb Staatssekretär Rodrigo Ubilla in die Region, aber bislang ohne Ergebnis. Nach dem Treffen kündigte der Sprecher der Vereinigung der Kleinfischer Marcos Silva die Fortsetzung der Proteste an, sollten keine wirklichen Lösungen und konkrete Vereinbarungen angeboten werden. Ubilla kündigte an, sich am heutigen Montag mit den zuständigen Ministern zu treffen, um über die Forderungen zu beraten. In der Region berief die Intendantin Cuevas am Samstag eine außerordentliche Sitzung des Regionalkabinetts ein.

Äußerungen beispielsweise von Chiles Innenminister Rodrigo Hinzpeter zeigen Verständnislosigkeit für die Proteste. Wirtschaftsminister Pablo Longueira verstieg sich sogar zu der Aussage, die Proteste seien von Organisationen von Santiago aus organisiert worden. Rückdeckung kommt dagegen von der Bürgermeisterin von Puerto Aysén, Marisol Martínez, die sich demonstrativ auf die Seite der Protestierenden stellte. Auch Vertreter der Oppositionsparteien sowie der Studierendenverband Confech erklärten ihre Unterstützung. In Santiago kam es zu einer Solidaritätsdemonstration.

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