Venezuela gedenkt Putschversuch vor zehn Jahren

Zehntausende beteiligen sich an Demonstrationen und Gedenkveranstaltungen. Regierung hebt Rolle alternativer Medien hervor

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Anhänger des venezolanischen Präsidenten bei der Demonstration am Freitag
Anhänger des venezolanischen Präsidenten bei der Demonstration am Freitag

Caracas. Mit zahlreichen Kundgebungen, Demonstrationen, Ausstellungen und Veranstaltungen ist in Venezuela der Niederschlagung des Putsches vor zehn Jahren gedacht worden. Zehntausende Menschen nahmen an den vor allem von der Regierung organisierten Veranstaltungen teil. Ein Bündnis von Basisorganisationen beteiligte sich mit einer eigenen Demonstration zur abschließenden Kundgebung vor dem Präsidentenpalast am Freitag in Caracas.

Am 11. April 2002 hatten Teile des Militärs mit Unterstützung privater Medienkonzerne, oppositioneller Parteien, der Führung der katholischen Kirche, des rechten Gewerkschaftsdachverbands CTV und des Unternehmerverbandes Fedecámaras den linken Präsidenten Hugo Chávez aus dem Amt geputscht. In den folgenden Tagen gelang es den Anhängern des Präsidenten und loyalen Militärs jedoch, den Putsch niederzuschlagen. Am 13. April kehrte Chávez aus der Gefangenschaft in sein Amt zurück.

Der venezolanische Informationsminister Andrés Izarra hob die besondere Rolle nachbarschaftlicher und alternativer Medien bei der Mobilisierung der Bevölkerung hervor. "An jenem Tag ist das Volk zum Protagonisten gegen das niederträchtige Schweigen der Medien geworden, das die großen privaten Medienkonglomerate der Gesellschaft aufgezwungen haben, um den Putsch zu leiten, zu planen und voranzutreiben", sagte der Minister am Mittwoch.

Um die Entwicklung alternativer Medien weiter zu fördern, kündigte er die Einrichtung eines staatlich unterstützten Netzwerks von Basismedien an. Das Netzwerk mit dem Namen Fabricio Ojeda soll dazu beitragen, Programme der lokalen Medien auf nationaler Ebene zu verbreiten. Hierzu werde die Infrastruktur des staatlichen Radiosenders Radio Nacional de Venezuela (RNV) genutzt.

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Die Putschisten hatten 2002 die staatlichen Medien übernommen und durch die Unterstützung der privaten Medien die falsche Information verbreitet, Chávez sei zurückgetreten. Um die Medienblockade zu durchbrechen mussten Basisorganisationen alternative Wege zur Kommunikation entwickeln. Diese Erfahrung war ein bedeutender Impuls für das Wachstum alternativer und nachbarschaftlicher Medien in Venezuela.

Zum Abschluss der Feierlichkeiten füllten am Freitag die Anhänger des Präsidenten die Straßen um den Präsidentenpalast Miraflores. Vermutlich handelte es sich um eine der größten Demonstrationen seit mehreren Jahren. In einer Ansprache vom "Balkon des Volkes" würdigte Chávez die entscheidende Rolle der Bevölkerung bei der Niederschlagung des Putsches. Ohne den Erfolg vom 13. April 2002 würde nicht nur Venezuela heute völlig anders aussehen. Auch die regionalen Fortschritte zu einer wirklichen Unabhängigkeit Lateinamerikas 200 Jahre nach der Befreiung vom Kolonialismus hätten nicht erreicht werden können, wenn die Putschisten Erfolg gehabt hätten, so Chávez.

Als Beispiel nannte er den sogenannten Amerika-Gipfel, der am Samstag im kolumbianischen Cartagena stattfindet. Allein die USA und Kanada stellten sich gegen die Einladung Kubas zu dem Gipfel und gegen eine Unterstützung Argentinien im Konflikt mit Großbritannien um die Malwinen (Falkland-Inseln). Dass alle Länder Lateinamerikas und der Karibik eine andere Position haben, zeige die Notwendigkeit neuer regionaler Organisationen wie der Gemeinschaft der Staaten Lateinamerikas und der Karibik (Celac). Die Organisation, der alle amerikanischen Staaten außer Kanada und die USA angehören, wurde vergangenes Jahr in Caracas gegründet.

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