Bolivien kämpft um Seltene Erden

Einigung mit Bergbau-Gegnern. Linksregierung kündigt Verstaatlichung eines der größten Vorkommen von Indium und Iridium weltweit an

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Vor dem Regierungssitz in La Paz am 4. Juni: Eine Delegation der Bergbau-Gegner übergibt eine Petition für die Enteignung des SAS-Bergwerkes
Vor dem Regierungssitz in La Paz am 4. Juni: Eine Delegation der Bergbau-Gegner übergibt eine Petition für die Enteignung des SAS-Bergwerkes

Potosí. Ein seit mehreren Wochen schwelender Konflikt um das Bergbau-Projekt Mallku Khota im bolivianischen Verwaltungsbezirk Potosí ist beigelegt. Gegner des Tagebauprojektes der kanadischen Firma South American Silver (SAS) setzten am Sonntag mehrere zuvor genommene Geiseln auf freien Fuß. Der Freilassung eines Polizisten und von zwei festgehaltenen Ingenieuren der Bergbau-Firma waren mehrtägige Verhandlungen zwischen Zentralregierung und lokalen Gemeinde-Autoritäten vorangegangen, berichtete die Tageszeitung La Razón am Montag. Ein Polizist war in dem Konflikt getötet worden.

Arbeitsminister Daniel Santalla habe sich mit den Anwohnern der protestierenden Gemeinden von Mallku Khota auf die Erfüllung ein ganzes Forderungskataloges geeinigt. Vereinbart wurde die Annullierung der in den 1990er Jahren erteilten Förderlizenz für eines der weltweit größten Seltene-Erden-Vorkommen und eine Machbarkeitsstudie über Möglichkeiten zur Verstaatlichung der Bodenschätze. Der Familie des bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Gemeinde-Mitgliedern am Freitag durch Polizeikugeln getöteten José Mamani Mamani wird eine Entschädigung gezahlt, einem Familienmitglied wird ein Arbeitsplatz angeboten.

Auch trägt der Staat sämtliche Behandlungskosten für Verletzte. Den an den Auseinandersetzungen beteiligten Anwohnern wurde Straffreiheit zugesagt. Für die SAS-Ingenieure wurde kommunitär-indigenes Recht angewandt: Sie müssen wegen unerlaubten Betretens von Gemeindeterritorium und "Spionage einer Gemeindeversammlung" in Mallku Khota innerhalb von einem Monat je 1.000 Lehmziegel in Handarbeit herstellen. SAS kündigte ein Klageverfahren wegen Freiheitsberaubung ihres Personals an.

Das Aufeinanderprallen von Polizei und Anwohnern am Freitag hatte der Präfekt von Potosí, René Navarro, zuvor als "großen Fehler" des regionalen Polizeichefs Ramiro Cossio verurteilt. Dieser habe mit seinem Einsatz den laufenden Dialog zwischen Regierung und Gemeindevertretern in Gefahr gebracht und einem weiteren Menschen das Leben gekostet. Innenminister Jorge Pérez beklagte derweil, dass der freigelassene Polizist Herbert Pérez in Gefangenschaft "gefoltert und brutal geschlagen wurde".

Am Sonntag kündigte Präsident Evo Morales die Verstaatlichung eine der größten Vorkommen von Indium und Iridium weltweit an. "Ich habe das schon letztes Jahr vorgeschlagen, aber es gab Probleme, in Mallku Khota waren sich die Brüder nicht einig, einige wollten die Nationalisierung, andere nicht", so der Chef der regierenden Bewegung zum Sozialismus (MAS). Die Einigung zwischen den Gemeinden, von denen "eine Gruppe dafür, andere dagegen" war, habe den Weg für eine Lösung des Konflikts frei gemacht. "Wir sind hier, um die Bergbauzentren zurück zu gewinnen, umzusteuern oder zu nationalisieren", erklärte Morales. Die staatliche Bergbaufirma COMIBOL werde das Vorkommen von Mallku Khota übernehmen.

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