Kolumbien / Politik

Farc kündigt Freilassung an

Kolumbianische Guerilla geht in die Offensive und will umgehend drei Gefangene freilassen.

Havanna. In das Geiseldrama um die kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt kommt Bewegung: Die linksgerichteten Rebellen der revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (Farc) kündigten an, Betancourts Wahlkampfmanagerin Clara Rojas, deren Sohn und die ehemalige Abgeordnete Consuelo González freizulassen. Die Geiseln sollten dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez übergeben werden, berichtet die kubanische Nachrichtenagentur Prensa Latina am Dienstag.

In einer Erklärung der Farc heißt es, die Freilassung sei eine "Geste der Anerkennung" für die inzwischen abgebrochene Vermittlertätigkeit von Venezuelas Präsident Hugo Chávez und der kolumbianischen Senatorin Piedad Córdoba. Kolumbiens Präsident Àlvaro Uribe hatte die Vermittlungsbemühungen vor einem Monat abrupt abgebrochen. Damit brüskierte er nicht nur die Angehörigen der 45 Farc-Gefangenen, er löste auch eine andauernde Krise mit dem Nachbarland aus.

"Der Befehl zur Freilassung ist ergangen", heißt es in der Mitteilung, die sieben Punkt umfasst. Sie enthält auch eine erste Reaktion auf den Vorschlag Uribes, eine "Begegnungszone" in Kolumbien einzurichten, um dort einen möglichen Gefangenenaustausch zu konkretisieren. Für die Guerrilla ist dieser Vorschlag "improvisiert". Er könne nur dazu dienen, an abgelegenen und geheimen Orten mit dem "Lügner" Carlos Restrepo, dem von der Regierung eingesetzten "Friedenskommissar", zu sprechen. Die Farc-Rebellen bestehen in der Erklärung darauf, für 45 Tage eine entmilitarisierte Zone in den Bezirken Florida und Pradera im Departement Valle del Cauca einzurichten. Dies sei ihre einzige Bedingung, um Verhandlungen über einen Austausch aufzunehmen.

Den Abbruch der Vermittlung durch Uribe werten die Farc als "einen Akt diplomatischer Barbarei gegen den legitimen Staatschef eines Bruderstaates, das sich gegenüber der aus Bogotá vorgebrachten Bitte solidarisch gezeigt" habe. Ebenso sei die einseitige Entscheidung Uribes ein Schlag vor den Kopf des französischen Präsidenten Sarkozy und den solidarischen Präsidenten Lateinamerikas gewesen.

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Angehörige der Gefangenen zeigten sich nach der Erklärung der Guerrilla ermutigt und dankten erneut dem venezolanischen Präsidenten für dessen Anstrengungen. Dieser nannte die Ankündigung der Farc ein "Balsam". Zugleich wies er Stellungnahmen der kolumbianischen Regierung scharf zurück, die der Erklärung der Farc keine Bedeutung zumessen will. "Dem Präsidenten Kolumbiens ist die Maske heruntergefallen. Man hat gesehen, wie er wirklich ist. Man muss sagen, auch wenn er Winkelzüge unternimmt: er ist eine Marionette des Imperiums."

Chávez erinnerte daran, dass die Vereinbarungen für einen Gefangenenaustausch bereits getroffen worden seien, als er noch am Verhandlungstisch saß. "Ich bin überzeugt davon und traue mich auch, es zu sagen, dass die Regierung von Kolumbien keinen Frieden will", urteilte der venezolanische Präsident. Er kritisierte auch, dass die Überbringer der eingeforderten Lebenszeichen der Gefangenen von der kolumbianischen Regierung gefangen genommen wurden: "Sie haben in Bogotá zwei Mädchen verhaftet, eine ist 19 Jahre und die andere 20 Jahre alt, und einen Mann, in dessen Haus sie sich aufhielten, um die Beweise zu erhalten. Jetzt sind diese zwei jungen Kolumbianerinnen gefangen und als Terroristinnen angeklagt. Aber was sie getan haben, war eine mutige Rolle zu übernehmen. Wie kann man so einer Regierung vertrauen?"

Abschließend forderte Chávez den obersten Comandante der Farc, Manuel Marulanda, auf, den Gefangenenaustausch weiter voranzutreiben. "Verlieren wir nicht die Hoffnung, dass wir weiter zur Befreiung aller Personen, die in den Händen der Farc sind, und zur Befreiung aller Guerrilleros im Gefängnis voranschreiten können", so Chávez.


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