Venezuela

Für technologische Unabhängigkeit

Umstellung auf Freie Software in Venezuela kommt voran. Erste sozialistische Software-Schmiede in Kooperation mit Kuba geplant

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Für technologische Unabhängigkeit
Staatlich gefördert: Linux-Betriebssystem Canaima

Caracas. In Venezuela gelangen in diesem Jahr entscheidende Fortschritte bei der Umstellung auf Freie Software. Dies gab das Nationale Zentrum für Informationstechnologie (CNTI) am vergangenen Donnerstag bekannt. Demnach gelang es der Einrichtung, eine Reihe von Kooperationen zwischen neu gegründeten IT-Unternehmen und öffentlichen Institutionen sowie selbstverwalteten Gemeinden zu vermitteln.

Insgesamt konnten in diesem Jahr zudem 500 Ausbilder in 400 Gemeinden ihre Arbeit aufnehmen. Ihre Aufgabe ist es sowohl die Mitarbeiter öffentlicher Verwaltungen und Unternehmen sowie auch die Bevölkerung allgemein zur Arbeit mit Freier Software zu befähigen. Mehr als ein Drittel aller Bürgermeisterämter haben nach Angaben des CNTI ihre Computer inzwischen auf den Betrieb mit Freier Software umgestellt und eine entsprechende technische Ausbildung erhalten.

Die venezolanische Regierung verfolgt bereits seit 2004 das Ziel im Bereich der Technologie-Entwicklung eine Souveränität zu erreichen. In dem "Gesetz über Technologie und Information" wurden alle öffentlichen Einrichtungen verpflichtet, ihre Rechner auf Freie Software-Angebote umzustellen, wenn geeignete Produkte existieren.

Dass es nun, vier Jahre nach der Verabschiedung des Gesetzes über Freie Software, zu ersten Ergebnissen kommt, führt Carlos Figueira, Präsident des CNTI, auf den breiten Ansatz bei der Ausbildung von Software-Kentnissen zurück. Ein zentrales Projekt des CNTI ist die gemeinsame Entwicklung einer eigenen venezolanischen Linux-Variante: dem Betriebssystem Canaima GNU.

Bedarf an eigenen Software-Lösungen und damit an Programmierern besteht in Venezuela in vielen Bereichen. So räumt der wieder verstaatlichte Telefonanbieter CANTV der Umstellung auf Freie Software Priorität ein und der staatliche Ölkonzern PDVSA, das größte Unternehmen des Landes, wird ein eigenes Software-Unternehmen gründen, und zwar in Kooperation mit Kuba.

Wie die Nachrichtenagentur AFP meldete, wollen die beiden Länder mit dieser so genannten sozialistischen Gesellschaft "Guardián del ALBA" (Wächter der ALBA) langfristig mehr als 500 Millionen US-Dollar (358 Millionen Euro) jährlich an Lizenzgebühren sparen.


Ausführlichere Informationen zu Freier Software in Venezuela finden Sie hier in einem aktuellen Hintergrundartikel in der Rubrik Hintergrund & Analyse unseres Portals.

Bildquelle: canaima.softwarelibre.gob.ve

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