Kolumbien / Venezuela

Betancourt besucht Chávez und dankt ihm

Südamerikatour von Ingrid Betancourt endet in Caracas. Ex-Gefangene der FARC-Guerilla zufrieden mit Unterstützung für Friedensbemühungen

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Betancourt besucht Chávez und dankt ihm
Chávez mit Betancourt vor Nationalheld Bolívar

Caracas. Venezuela war am Montag die letzte Station von Ingrid Betancourt, nachdem sie sich in der Woche zuvor mit den Präsidenten und Präsidentinnen Argentiniens, Brasiliens, Chiles, Boliviens, Perus und Ecuadors getroffen hatte, um Unterstützung für Verhandlungen über die Freilassung weiterer Gefangener der linken FARC-Guerilla zu gewinnen. Die ehemalige kolumbianische Präsidentschaftskandidatin war im Juli dieses Jahr aus ihrer sechsjährigen Gefangenschaft der kolumbianischen Guerilla FARC befreit worden.

Auf der Pressekonferenz in der venezolanischen Hauptstadt nach einem Treffen mit Präsident Chávez und dessen Außenminister Nicolas Maduro lobte Betancourt die Bereitschaft aller von ihr besuchten Präsidenten, sich für eine friedliche Lösung des kolumbianischen Konflikts und für eine Freilassung der Geiseln der FARC einzusetzen. Dabei machte sie auch deutlich, wie sie sich die nächsten Schritte zu einer Verhandlungslösung vorstellt: "Wenn die FARC alle ihre Gefangenen frei lässt, sind wir viele die dafür eintreten werden, ihnen einen Platz zur politischen Aktivität zu ermöglichen, damit sie ihr politisches Projekt in vollkommener Sicherheit verteidigen könnten." Gerade in der Garantie der Sicherheit könnte aber ein großes Problem liegen. Der letzte Versuch, die politischen Forderungen der FARC parlamentarisch zu vertreten, die Gründung der linken Partei "Unión Patriótica", endete mit der Ermordung von über 3000 Parteimitgliedern in den 80er und 90er Jahren durch die rechten paramilitärischen Gruppen Kolumbiens.

Ob Probleme wie diese auf den Treffen mit den verschiedenen Präsidenten thematisiert wurden, wurde nicht veröffentlicht, auf der Pressekonferenz rückte vielmehr der Dank Ingrid Betancourts an Hugo Chávez für seinen Einsatz zur Freilassung der FARC-Geiseln in den Vordergrund: "Die Stimme von Präsident Chávez war diejenige, die uns auch in den schrecklichsten Stunden der Gefangenschaft Hoffnung gab, uns erlaubte ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen und daran zu glauben, dass wir bald befreit werden könnten." In Chávez habe sie einen Bruder gefunden, der für den Frieden in Kolumbien kämpft, erklärte Betancourt nach dem zweistündigen Treffen im Präsidentenpalast Miraflores und richtete noch einmal den direkten Dank für ihre Befreiung an Chávez: "Ihr Einsatz hat sich gelohnt. Sie haben durch die Verhandlungen nicht nur die Freilassung meiner Freunde erwirkt, sondern auch ermöglicht, dass ich und andere befreit werden konnten."

Einen schalen Beigeschmack könnte diese Danksagung aber hinterlassen haben. Chávez hatte sich stets für eine Verhandlungslösung mit der FARC eingesetzt und so die Freilassung von sechs Geiseln erreicht, unter ihnen Betancourts ehemalige Wahlkampfmanagerin Clara Rojas und die Kongressabgeordnete Consuelo Gonzales, die im Januar 2008 von der FARC freigelassen und in Hubschraubern des Internationalen Roten Kreuzes nach Venezuela ausgeflogen wurden. Bei der Befreiung von Ingrid Betancourt sowie 14 weiteren Gefangenen der FARC, wurden vom kolumbianischen Militär die Symbole des Internationalen Roten Kreuzes, des venezolanischen Fernsehsenders TeleSUR und des ecuadorianischen Senders Ecuavisa, die den humanitären Austausch im Januar unterstützten, erwiesenermaßen gezielt als Tarnung verwendet. Die betroffenen Organisationen verurteilten den vorsätzlichen Missbrauch ihrer Symbole und das Rote Kreuz sieht ihre Mitarbeiter in zukünftigen Missionen dieser Art einem deutlich größeren Risiko ausgesetzt.

Für weitere Unklarheiten könnten Äußerungen Betancourts auf einer zweiten Pressekonferenz am Dienstag in der französischen Botschaft in Caracas sorgen. Nachdem sie am Vortag ihre Freude über die breite Unterstützung der südamerikanischen Präsidenten geäußert hatte und auch Chávez um weitere Anstrengungen gebeten hatte, machte sie nun deutlich, dass sie "Gespräche über Vermittler für keine Hilfe in diesem Prozess hält, da man sich so auf die Figur des Mediators konzentriert und nicht auf das Ziel das man erreichen will." Betancourt gab weiterhin bekannt, dass in dem Treffen mit Hugo Chávez das Thema einer Vermittlung nicht angesprochen wurde und verwies auf ihre diesbezügliche Absprache mit dem kolumbianischen Präsidenten Álvaro Uribe.


Quellen:


Bildquelle: Agencia Bolivariana de Noticias

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