Venezuela

Probleme bei Gesundheitsversorgung

Übertragung von medizinischen Einrichtungen in nationale Verwaltung vorgesehen. Chávez kündigt "Gesundheitsplan" für Caracas an

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Probleme bei Gesundheitsversorgung
Barrio-Adentro-Modul zur Basis-Gesundheitsversorgung

Caracas. "Die Situation der Gesundheitsversorgung in der Hauptstadt ist extrem kritisch. Eigentlich müsste der Notstand erklärt werden", warnt Adolfo Delgado, der Präsident der Bolivarischen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (Sociedad Bolivariana Venezolana de Medicina General Integral). Die Probleme seien besonders drängend in der Hauptstadt Caracas. Als Ursache sieht er die Verteilung der Verantwortlichkeiten auf zu viele verschiedene Institutionen. Ohne die Einrichtung eines national einheitlichen Gesundheitssystems mit einer zentralen Direktion würde sich das Problem nicht lösen lassen.

Außerdem diagnostiziert Delgado einen grundsätzlichen Mangel an Ärzten in der Basis-Gesundheits-Mission "Barrio Adentro". Anstelle der momentan aktiven 2.700 venezolanischen Ärztinnen und Ärzte würden 20.000 gebraucht, wenn 300 Familien durch eine Person medizinisch betreut werden sollen. Diese Situation werde sich allerdings entspannen, wenn demnächst das erste Kontingent der Studierenden im neuen Studiengang Basis-Medizin die Ausbildung abgeschlossen hat. Bisher hatten tausende Ärzte aus Kuba die Lücke geschlossen. Sie kehren jedoch nach und nach in ihre Heimat zurück. Auch bei der Infrastruktur und der Ausstattung gebe es Mängel. Die Umsetzung der Präventions-Programme verlaufe schleppend, der Staat müsse sie stärken.

Aus dem Hospital José Gregorio Hernández de Los Magallanes im Stadtteil Catia wird berichtet, dass dort nicht mehr alle Notfälle berücksichtigt werden können. Viele Patienten werden an andere Krankenhäuser weiterverwiesen. Die Sprechstunden sind nur noch für die Bewohner des Stadtteils offen, die von den Basisversorgungszentren überwiesen werden. Grund ist auch hier der Mangel an medizinischem Personal.

Als Reaktion auf diese Krise hat der Präsident des Stadtrats von Caracas-Stadt, Asdrúbal Henríquez, die Übertragung der Krankenhäuser an das Ministerium für Gesundheit und sozialen Wohlstand (Ministerio de Salud y Bienestar Social) angekündigt. Dies sei notwendig, da wegen der schwierigen Haushaltslage der Kommune nicht in die Wartung der Einrichtungen investiert werden konnte.

Gesundheitsminister Jesús Mantilla betonte beim sechsten Gipfel der Bolivarischen Alternative für Amerika (Alba), dass bis heute 393 integrierte Diagnose-Zentren (Centros de Diagnóstico Integral, CDI), 482 Rehabilitations-Einrichtungen (salas de rehabilitación, SRI) und 17 Hochtechnologie-Zentren (Centros de Alta Tecnología, CAT) eingerichtet worden seien. Außerdem seien 275 Millionen kostenlose ärztliche Beratungen, 111 Millionen Untersuchungen, 10 Millionen Augenbehandlungen, 13 Millionen Behandlungen in einem CDI und 5 Millionen Untersuchungen in einem CAT durchgeführt worden. Im Rahmen von Barrio Adentro seien 3.100 Basis-Gesundheitsstation entstanden. Mantilla ist sich der aktuellen Krise bewusst und will sich persönlich der Probleme annehmen. Er kündigte an, mehr Mittel in die Renovierung und Ausstattung der Erstversorgungs-Module zu investieren. Bezüglich des Ärztemangels verweist auch er auf die erwarteten Absolventen des Basismedizin-Studienganges und auf die Lateinamerikanische Medizin-Schule (Elam) in Havanna, an der in diesem Jahr 400 Ärztinnen und Ärzte ihre Ausbildung beenden werden. Insgesamt würden in den kommenden drei Jahren 20.000 Studierende ihr Medizinstudium abschließen.

Auch Präsident Hugo Chávez behandelte die schwierige Situation in seiner Sendung "Álo Présidente" und räumte strukturelle Probleme ein. Neben den Hinterlassenschaften der neoliberalen Politik nannte er die schlechte Haushaltslage der Kommunen und Effizienzmängel bei der Verwaltung. Er kündigte für Caracas einen Gesundheitsplan an, um die Mängel in den Gesundheitszentren und Kliniken zu beheben. Er beklagte, dass weiterhin sehr viele Mediziner es vorziehen, in privaten Einrichtungen zu arbeiten, und bedankte sich bei den 30.000 kubanischen Ärztinnen und Ärzten, die das Land auf allen Ebenen der Mission "Barrio Adentro" unterstützen.


Quellen

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