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27.01.2008 Kolumbien / Venezuela / Politik

Warnung vor Krieg

Venezuelas Staatschef alarmiert vor möglichem Konflikt mit Kolumbien
Warnung vor Krieg

Warnt vor Eskalation: Venezuelas Präsident Hugo Chávez

Caracas. Die anhaltenden Spannungen zwischen Venezuela und Kolumbien könnten in eine militärische Auseinandersetzung münden. Das erklärte Venezuelas Präsident Hugo Chávez am Samstag am Rande des Gipfeltreffens der "Bolivarischen Alternative für Amerika" (Alba) in Caracas. Zugleich warf er den Regierungen Kolumbiens und der USA vor, eine solche Entwicklung zu provozieren: "Das nordamerikanische Imperium schafft die Grundlagen für einen bewaffneten Konflikt zwischen Kolumbien und Venezuela". Die Beziehungen zwischen den beiden südamerikanischen Staaten haben einen Tiefpunkt erreicht, seit Kolumbiens Präsident Alvaro Uribe seinem Amtskollegen Chávez Ende vergangenen Jahres das Mandat für Vermittlungen mit linksgerichteten Guerillaorganisationen in seinem Land entzogen hat. Uribe wirft Chávez eine ideologische Nähe zu den Gruppen vor. Venezuelas Staatschef beschuldigt die Regierung Uribe indes, mit ihrer aggressiven Kriegspolitik gegen die Rebellen den Frieden in der gesamten Region zu gefährden.

Die Warnung aus Caracas vor einer Eskalation der Krise folgte, nachdem in der vergangenen Woche mehrere ranghohe Vertreter von Armee und Regierung der USA nach Bogotá gereist sind, um von dort aus schwere Vorwürfe gegen Venezuela zu erheben. Zunächst war zu Beginn der Woche der Chef des US-Generalstabs, Michael Mullen, in Bogotá eingetroffen, um die venezolanischen Regierung als "Gefahr für die Stabilität in der Region" zu bezeichnen. Dann bezichtigte John Walters, der Chef der US-Antidrogenbehörde DEA, Chávez von der kolumbianischen Hauptstadt aus, den Drogenhandel in Südamerika zu begünstigen. Der Oberkommandierende der US-Truppen in Südamerika, Jim Stavridis, warf Venezuela vor, Waffen an die kolumbianische Guerilla zu liefern. Und schließlich reiste US-Außenministerin Condoleezza Rice nach Bogotá, um Präsident Uribe "den Rücken zu stärken", wie sie gegenüber Pressevertretern erklärte.

Anschuldigungen aus dem Norden zurückgewiesen

Die auffällige Häufung der Angriffe provozierte in Caracas entsprechende Reaktionen. Während Venezuelas Vertreter in der Organisation Amerikanischer Staaten, Jorge Valero, bei der Regionalorganisation formell Protest gegen die "haltlosen Anschuldigungen" einlegte, merkte Präsident Chávez an, dass für die Anwürfe kein einziger Beweis vorgelegt wurde. "Es geht offenbar nur darum, etwaige Aktionen von Kolumbien aus gegen Venezuela zu rechtfertigen", sagte er, um auf die hohe Präsenz US-amerikanischer Militärs im Nachbarland zu verweisen. Auch der Chef der venezolanischen Antidrogenbehörde, Néstor Reverol, wies die Anschuldigungen seines US-Amtskollegen Walters zurück. Venezuela sei seit Jahren eines der Länder, in denen die meisten erfolgreichen Aktionen gegen Drogenschmuggel durchgeführt werden, sagte er. Die USA forderte er auf, das Thema nicht weiter politisch zu missbrauchen. Venezuela hatte im vergangenen Jahr die Zusammenarbeit mit der US-Antidrogenbehörde aufgekündigt. DEA-Mitarbeiter hätten ihre Arbeit in Venezuela als Vorwand genutzt, um geheimdienstliche Strukturen aufzubauen, hieß es damals.


Den Originaltext der Tageszeitung junge Welt finden Sie hier.

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