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10.04.2010 Brasilien / Honduras / USA / Militär

USA weiten Militärpräsenz in Lateinamerika aus

Neue Marinebasis in Honduras in Betrieb genommen, Verhandlungen über Militärabkommen mit Brasilien
USA weiten Militärpräsenz in Lateinamerika aus

Für mehr US-Militär in Lateinamerika: Valenzuela

Quito/Brasilia/Tegucigalpa. Die US-Regierung intensiviert ihre diplomatische Offensive in Lateinamerika, um die militärische Präsenz auf dem Kontinent auszuweiten. Nachdem am Donnerstag vergangener Woche die inzwischen zweite Militärbasis in dem kleinen mittelamerikanischen Honduras eingeweiht wurde, bestätigte der Staatssekretär für Lateinamerika im Washingtoner Außenministerium, Arturo Valenzuela, am Freitag laufende Verhandlungen mit der brasilianischen Regierung über die Einrichtung eines Stützpunktes in dem südamerikanischen Land.

Valenzuela reagierte damit auf einen Bericht der auflagenstarken brasilianischen Zeitung O Estado do São Paulo vom Vortag. Alle neuen Basen dienten der Bekämpfung des Drogenhandels, so Valenzuela. Die Ausweitung der militärischen Präsenz in Lateinamerika sorgt in der Region indes für anhaltende Kritik.

Nach dem Ende einer Tagung der sozialwissenschaftlichen Organisation FLACSO in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito bestätigte Valenzuela den Zeitungsbericht aus Brasilien. Ein militärisches Abkommen sei "in Verhandlungen", so der US-Chefdiplomat für Lateinamerika.

Die geplante US-Armeebasis in Brasilien soll ein vorgeblich gegen Drogenhandel errichtetes Überwachungsnetz schließen. Derzeit wird von einer vergleichbaren Basis in Key West im US-Bundesstaat Florida die Karibik und Mittelamerika beobachtet. Eine weitere Basis nahe der portugiesischen Hauptstadt Lissabon kontrolliert den Nordatlantikraum.

Von Brasilien aus könnte der Südatlantik überwacht werden. Die Verhandlungen darüber werden von dem Regionalkommandierenden des Südkommandos der US-Armee, Douglas Fraser, und dem brasilianischen Verteidigungsminister Nelson Jobim geführt.

Die massive Aufstockung der US-amerikanischen Armee in Lateinamerika hat in den vergangenen Monaten und Jahren für Widerstand in der Region gesorgt. Vor allem die Unterzeichnung eines Nutzungsvertrages über sieben Militärbasen in Kolumbien provozierte harsche Proteste der Nachbarstaaten und der Regionalorganisation UNASUR.

Die weitere Ausweitung der Armeepräsenz wird offenbar deswegen von einer diplomatischen Offensive Washingtons flankiert. Der Diplomat Arturo Valenzuela kommt noch an diesem Wochenende in Ecuador mit Staatschef Rafael Correa und Außenminister Ricardo Patiño zusammen. Mitte dieses Monats soll US-Verteidigungsminister Robert Gates die militärpolitischen Pläne Washingtons in Brasilien erklären.

Nach Informationen von Nachrichtenagenturen ist mittelfristig zudem eine Zusammenkunft des US-amerikanischen Präsidenten Barack Obama mit den Staatschefs der Mitgliedsländer der UNASUR geplant.

In Honduras hatten die Washingtoner Außen- und Militärpolitiker indes ein leichtes Spiel. Die international nicht anerkannte De-facto-Regierung unter Leitung des konservativen Unternehmers Porfirio Lobo hatte gegen die Errichtung der zweiten US-Militärbasis in dem mittelamerikanischen Land keine Einwände.

Der neue Marinestützpunkt wurde im nordöstlichen Departement Gracias a Dios errichtet. Nach Auskunft des US-Botschafters in Tegucigalpa, Hugo Llorens, wurden zwei Millionen US-Dollar und vier Schiffe für den Aufbau der Marinebasis zur Verfügung gestellt, die offiziell unter Kontrolle der honduranischen Seestreitkräfte bleibt.

Der zweite Stützpunkt besteht in Palmerola im Departement Comayagua. Von hier aus wurde mutmaßlich der letzte demokratische gewählte Präsident des Landes, Manuel Zelaya, nach einem Staatsstreich Ende Juni vergangenen Jahres außer Landes geschafft.


Bildquelle: chile.usembassy.gov

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