Kolumbien / Medien

Kolumbianische Regierung attackiert TeleSur

Sender dementiert: Korrespondenten waren nicht an der Freilassung Moncayos beteiligt

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Kolumbianische Regierung attackiert TeleSur
Moncayo im Video vor seiner Entlassung

Bogotá. Nach der Freilassung des Feldwebels Pablo Moncayo durch die Farc greift Kolumbiens Regierung den internationalen Nachrichtensender TeleSur an. "Der Kanal gibt sich dafür her, Propaganda für eine terroristische Gruppe wie die Farc zu machen", behauptet Frank Pearl, Beauftragter der Regierung für Friedensverhandlungen. Anlass für die Anschuldigungen ist ein Video, in dem Pablo Moncayo kurz vor seiner Freilassung in Begleitung von Mitgliedern der Guerilla zu sehen ist. TeleSur strahlte die Bilder am gestrigen Dienstag aus. Pearl verlangt nun eine Erklärung dafür, warum Journalisten des Senders den Gefangenen schon vor seiner Freilassung begleiten konnten.

Der Nachrichtensender reagierte am heutigen Mittwoch unmittelbar auf die Vorwürfe. Das entsprechende Video sei dem Sender über seine öffentliche Kontaktadresse per E-Mail zugesandt worden. In der Empfängerliste standen auch andere internationale Medien. Eigene Korrespondenten seien an der Freilassung nicht beteiligt gewesen.

In Kolumbien stoßen die Vorwürfe auf Unverständnis. "Die kolumbianische Regierung sollte sich ein genaues Bild von der Situation machen, bevor sie derartige Vorwürfe erhebt", erklärte Liliana Solano von der Organisation Kolumbianerinnen und Kolumbianer für den Frieden (CCP). Angehörige der Gefangenen und Aktivisten der Friedensbewegung werfen der kolumbianischen Regierung vor, Verhandlungslösungen in dem Konflikt zu hintertreiben und ausschließlich auf militärische Konfrontation zu setzen.

Kolumbien gehört mit Mexiko und Honduras zu den Ländern Lateinamerikas, in denen Journalisten am häufigsten ermordet, eingeschüchtert und bedroht werden. Präsident Àlvaro Uribe hat mehrmals öffentlich kritische Journalisten bezichtigt, den "Terrorismus" zu unterstützen. Diese Anschuldigung kann in Kolumbien lebensgefährliche Folgen haben, da die mit Uribe verbündeten Paramilitärs dies als Fingerzeig verstehen, gegen die betreffenden Personen vorzugehen.


Bild: TeleSur

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