Veranstaltung auf Portugiesisch und Deutsch mit konsekutiver Übersetzung
Die exzessive Gewalt von Polizei und Militär hat in Brasilien dramatische Ausmaße angenommen. 2021 starben dadurch 6.145 Menschen – vermutlich mehr als in jedem anderen Land. In Rio de Janeiro, São Paulo und anderen Städten wird in manchen Vierteln jeder zweite gewaltsame Todesfall durch die Polizei verursacht.
Im Kreuzfeuer der staatlichen Gewalt sind Menschen in Favelas und städtischen Randgebieten. Wohnhäuser werden mit Kugeln durchsiebt, Schulen, Kindergärten und Gesundheitszentren müssen wochenlang schließen. Viele Kinder und Jugendliche fühlen sich nirgends mehr sicher und sind traumatisiert. Insbesondere schwarze Jungen und junge Männer stehen unter Generalverdacht: 74 Prozent der Opfer sind jünger als 29 Jahre, 24 Prozent sogar jünger als 19 Jahre. 99 Prozent der Opfer sind männlichen Geschlechts, 79 Prozent sind Schwarze. Strafverfolgung von gewalttätigen Polizist:innen und Militärs findet kaum statt, manche organisieren sich in illegalen Milizen oder kooperieren mit der organisierten Kriminalität.
Viele der Waffen, die bei schweren Menschenrechtsverletzungen eingesetzt werden, kommen aus Deutschland, darunter Pistolen, Maschinengewehre, Panzerwagen und Hubschrauber. Sie kommen auch bei politisch motivierten Gewalttaten zum Einsatz: Laut forensischem Gutachten war die Waffe, die 2018 bei der Ermordung der Stadträtin Marielle Franco und ihres Fahrers in Rio de Janeiro verwendet wurde, eine Maschinenpistole MP5 des deutschen Herstellers Heckler & Koch (H&K).
Deutschland ist einer der wichtigsten Waffenlieferanten Brasiliens. 2021 erhielt das Land deutsche Rüstungsgüter im Wert von 143 Millionen Euro – obwohl nach europäischem Recht (Gemeinsamer Standpunkt der EU zu Rüstungsexporten) in Länder mit bewaffneten Konflikten und schweren Menschenrechtsverletzungen keine Rüstungsgüter geliefert werden dürfen.
Wie ist die Situation vor Ort, insbesondere für Kinder und Jugendliche? Wie kann der Kreislauf der Gewalt gestoppt werden? Was können Menschen in Deutschland dazu beitragen? Diese und weitere Fragen sollen mit den Gästen aus Brasilien diskutiert werden.
