Buenos Aires/Mexiko-Stadt. Zum Globalen Aktionstag für den Zugang zu sicherem und legalem Schwangerschaftsabbruch gehen in vielen Städten in Lateinamerika Frauenorganisationen auf die Straße. In Buenos Aires schwenkten Aktivistinnen der Nationalen Kampagne für das Recht auf legale, sichere und kostenlose Abtreibung vor dem Kongress die grünen Tücher der Bewegung. Sie richteten sich gegen die Politik des ultrarechten Präsidenten Javier Milei, die ihrer Darstellung zufolge die Gesundheitsversorgung von Frauen systematisch aushöhlt.
Passend dazu legte das Forschungsprojekt Proyecto Mirar des Zentrums für Staats- und Gesellschaftsstudien (Cedes) am selben Tag, Montag (28. September), seinen Jahresbericht vor. Seit Mileis Amtsantritt 2023 sank demnach der Haushalt des staatlichen Programms für sexuelle Gesundheit und verantwortungsvolle Fortpflanzung um 57 Prozent. Der Staat kaufte deutlich weniger Verhütungsmittel.
Die Zahl der damit versorgten Frauen soll von 1,2 Millionen (2024) auf geschätzt 63.000 im Jahr 2026 fallen. Hochrechnungen der Autor:innen zufolge hätten 240.000 ungewollte Schwangerschaften, 112.000 Abtreibungen und 452 Todesfälle bei Müttern vermieden werden können. Dabei handelt es sich um Modellrechnungen, nicht um erfasste Fälle.
Die Autor:innen des Berichts hielten zugleich fest, dass der Zugang zu legalen Abbrüchen in Argentinien bislang bestehen blieb. 2025 wurden in 20 Provinzen im öffentlichen Sektor 87.603 Abbrüche registriert, ohne nennenswerte Veränderung zum Vorjahr. Möglich machen das die Provinzen. Das Gesundheitsministerium hat den Einkauf der Medikamente für Abbrüche eingestellt, 13 Provinzen finanzieren sie seither aus eigenen Mitteln.
Das Gesetz 27.610 erlaubt seit 2021 Abbrüche bis zur 14. Woche, bis zur 15. Woche bei Vergewaltigungen oder einer Gefahr für das Leben der Schwangeren. Es sei zwar in Kraft, doch das Recht sei nicht im ganzen Land gesichert, sagte die Feministin Andrea Zamparini der Zeitung Página 12. Die Umsetzung verlaufe ungleich und hänge vom politischen Willen der einzelnen Provinz ab.
Die Aktivistin Martina Ghidinelli Vázquez, die in Buenos Aires demonstrierte, sagte amerika21, Milei mache Frauen für die wirtschaftliche Entwicklung verantwortlich. "Er sagt, wir treiben ab, deshalb bekommen wir keine Kinder und deshalb wächst die Wirtschaft nicht", fasste sie seine Argumentation zusammen. Zugleich könnten sich viele Frauen angesichts niedriger Einkommen und hoher Lebenshaltungskosten Kinder kaum leisten.
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Auch werde der Zugang zu Verhütungsmitteln und reproduktiver Gesundheitsversorgung erschwert. Milei hatte im August Feministinnen und die Legalisierung von Abtreibung für die niedrige Geburtenrate verantwortlich gemacht und einen Zusammenhang zu Folgen für Wirtschaft und Rentensystem hergestellt.
Neben Argentinien gibt es auch in anderen Ländern Lateinamerikas Proteste. In Mexiko-Stadt zogen Hunderte Frauen mit grünen und violetten Tüchern vom Revolutionsdenkmal zum Zócalo, dem Hauptplatz der Stadt. Sie forderten die Entkriminalisierung von Abtreibungen in mindestens sieben Bundesstaaten. Der Oberste Gerichtshof hatte die Strafbarkeit von Abtreibungen bundesweit einstimmig für verfassungswidrig erklärt, viele lokale Strafgesetze wurden jedoch nicht angepasst.
In Kolumbien forderten Aktivistinnen, etwa in Bogotá oder Cali, den Abbau institutioneller Hürden, einen garantierten Zugang zu medizinischen Leistungen und Schutz für Frauen, die einen Schwangerschaftsabbruch durchführen lassen. In Ecuador gingen Demonstrantinnen auf die Straße, um sich für sexuelle und reproduktive Gerechtigkeit und den Zugang zu einer umfassenden öffentlichen Gesundheitsversorgung einzusetzen.
Der Aktionstag wird seit 1990 begangen. Er geht auf das fünfte Lateinamerikanische und Karibische Feministische Treffen in San Bernardo bei Buenos Aires zurück. Dort wurde der 28. September zum Aktionstag für die Entkriminalisierung und Legalisierung von Abtreibungen in Lateinamerika erklärt.
Das Datum erinnert an das 1871 in Brasilien verabschiedete "Gesetz des freien Mutterleibs", mit dem Kinder versklavter Frauen für frei erklärt wurden. Die 28S-Bewegung stand damit "im Zeichen des antirassistischen Kampfes brasilianischer Feministinnen, die die Abschaffung der Sklaverei und die Selbstbestimmung über den eigenen Körper zu einem zentralen Schwerpunkt ihrer Forderungen für die Rechte der Frauen und der Vielfalt machten", berichtete infobae.

