Bogotá. Vor allem junge Menschen demonstrieren seit Samstag mit künstlerischen Protestaktionen gegen die Entfernung von rund 30 Kunstwerken und historischen Objekten aus dem Nationalmuseum Kolumbiens. Sie brachten Reproduktionen der abgehängten Werke an einer Außenwand des Museums an. An dem Protest beteiligten sich laut Medienberichten mehrere tausend Menschen. Seit Montag halten Lehrkräfte unterschiedlicher Universitäten ihre Vorlesungen vor dem Museum ab. Auch in vielen anderen Städten wird protestiert.
Am Samstag griffen Einheiten der Sonderpolizei mit Wasserwerfern und Schlagstöcken ein, um die teilweise blockierte Straße vor dem Museum zu räumen. Die kolumbianische Ombudsstelle kritisierte den Polizeieinsatz als unverhältnismäßig. Auch mehrere Kunstmuseen des Landes wandten sich gegen die Entfernung der Werke aus ideologischen Gründen.
Die Entfernung erfolgte auf Anweisung des ultrarechten Präsidenten Abelardo de la Espriella. Seine Regierung begründet den Schritt mit dem Anspruch, "politische Indoktrinierung in staatlichen Kultureinrichtungen zu verhindern". Sie verfolgt einen Diskurs der "Gegenrevolution".
Betroffen sind Exponate zu feministischen Kämpfen, den Rechten der LGBTQIA+-Gemeinschaft, politischer Gewalt und dem Friedensabkommen von 2016. Dazu gehören unter anderem eine Regenbogenflagge sowie Objekte im Zusammenhang mit den ermordeten linken Politikern Bernardo Jaramillo Ossa und Carlos Pizarro.
Kulturschaffende und Demonstrierende kritisieren, dass damit zentrale Aspekte der kolumbianischen Geschichte und gesellschaftliche Kämpfe aus der öffentlichen Erinnerung verdrängt würden. Der Protest richtete sich auch gegen eine politische Einflussnahme auf die kuratorische Arbeit des Museums.
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Am Montag, dem 19. Oktober, ordnete ein Gericht in Bogotá an, die Entfernung weiterer Objekte aus dem Nationalmuseum auszusetzen. Das Gericht nahm eine Verfassungsklage des Abgeordneten Gabriel Becerra sowie der LGBTIQ+-Kollektive León Zuleta und Revolución en Rosa an. Die bereits entfernten Stücke müssen dem Beschluss zufolge sachgerecht aufbewahrt werden. Sie dürfen bis zur Entscheidung über die Klage weder zerstört noch verändert oder aus dem Museum gebracht werden. Auch weitere Eingriffe in Ausstellungen aufgrund des Inhalts der Exponate sind ohne begründende Verwaltungsakte untersagt. Das Kulturministerium erhielt einen Werktag, um zu der Klage Stellung zu nehmen.
Unterdessen kritisierte die kolumbianische Ombudsfrau Iris Marín den Polizeieinsatz gegen die Proteste am Wochenende. Sie bemängelte, dass die Behörden den Dialog nicht ausreichend ausgeschöpft hätten, bevor sie Gewalt einsetzten. Auch das neue Dekret 1.525 von Präsident Abelardo de la Espriella zur Regelung von Demonstrationen sieht sie kritisch: Es lasse einen zu großen Interpretationsspielraum dafür, welches Verhalten als gewalttätig einzustufen sei, und ermögliche einen schnellen Übergang vom Dialog zum Einsatz von Zwangsmitteln. Eine Straßenblockade allein bedeute nicht automatisch, dass eine Demonstration ihren friedlichen Charakter verliere.
Die Nichtregierungsorganisation Temblores berichtete im Zusammenhang mit dem Polizeieinsatz von Verletzten und mutmaßlich rechtswidrigen Festnahmen.
Für das kommende Wochenende sind weitere Demonstrationen und Kundgebungen angekündigt. Auch soll im November ein unbefristeter Streik gegen die neue Regierung initiiert werden.

