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Venezuela: Massendemonstrationen für Hugo Chávez

Anhänger des krebskranken Präsidenten demonstrieren in Caracas. Regierung dementiert Falschmeldungen über Gesundheitszustand

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Teilnehmer der Demonstrationen für Hugo Chávez
Teilnehmer der Demonstrationen für Hugo Chávez

Caracas. In der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben am Mittwoch Anhänger von Hugo Chávez ihre Solidarität mit dem krebskranken Präsidenten demonstriert. Nach einem Sternmarsch von drei Punkten, an dem auch Vizepräsident Nicolás Maduro und viele bekannte Politiker der Regierungspartei PSUV teilnahmen, versammelten sie sich im Armenviertel 23 de enero (23. Januar).

Anlass waren der 55. Jahrestag des Sturzes der Diktatur von Marcos Pérez Jiménez am 23. Januar 1958, nach dem auch der Stadtteil benannt wurde, und der nach wie vor kritische Gesundheitszustand von Präsident Chávez. Er befindet sich nach einer Krebs-Operation Mitte Dezember noch immer zur Behandlung in Havanna. Mit der Massenmobilisierung will das chavistische Lager seine Solidarität mit dem kranken Staatsoberhaupt und seine Unterstützung für das politische Projekt des Bolivarischen Prozesses ausdrücken.

In einer Rede sagte Vizepräsident Maduro an die Adresse der rechten Opposition und der USA: "Chávez ist nicht müde geworden, das Volk vor den Bedrohungen durch die Bourgeoisie zu warnen. Hier ist ein Volk, das an Hugo Chávez glaubt und das die Fahne des Sieges hochhielt. Der Imperialismus soll es hören: Hier gibt es ein Volk, dass mit voller Kraft ruft: Ich bin Chávez!"

Auch das Oppositionsbündnis "Tisch der Demokratischen Einheit" (MUD) wollte ursprünglich am Mittwoch demonstrieren. Es verlegte die Aktivitäten jedoch zu einer Kundgebung im wohlhabenden Osten der Stadt, weil es Auseinandersetzungen mit den Anhängern der Regierung befürchtete. Dennoch kam es zu Konfrontationen, als Journalisten des staatlichen Fernsehsenders VTV gewaltsam vertrieben wurden, weil ihnen vorgeworfen wurde, die Kundgebung zu "sabotieren".

Venezuelas Regierung versuchte unterdessen weiter, Medienspekulationen über seinen Gesundheitszustand zu entkräften. Zu Wochenbeginn reiste der unlängst ernannte Außenminister Elías Jaua zu dem 58-jährigen Chávez nach Havanna, um in einem Arbeitstreffen die Eckpunkte für das Gipfeltreffen zwischen der Gemeinschaft lateinamerikanischer und karibischer Staaten (Celac) und der Europäischen Union zu besprechen. Das Treffen findet am kommenden Wochenende in der chilenischen Hauptstadt Santiago statt.

Über den Mikrobloggingdienst Twitter schrieb Jaua, dass er Chávez auch über die Solidaritätskundgebungen am vergangenen 10. Januar in Venezuela und anderen Staaten informiert habe. "Er hat mich gebeten, dem Volk und den Bolivarischen Streitkräften für so viel Loyalität zu danken", schrieb Jaua. Die politisch geprägte Armee ist in ein Venezuela ein wichtigter Stabilitätsfaktor. Nach seiner schweren Krebsoperation Mitte Dezember, dem inzwischen vierten chirurgischen Eingriff, hatte sich Chávez in einer seiner ersten Botschaften ebenfalls an die Armee gewandt.

Nach dem Treffen mit dem Präsidenten in Havanna betonte Jaua nun, dass der Staatschef voll entscheidungsfähig sei. Chávez "trifft Entscheidungen über unsere Teilnahme am Celac-Gipfel", so Venezuelas Außenminister, der in Havanna auch mit seinem kubanischen Amtskollegen Bruno Rodríguez zusammenkam.

Venezuelas Regierung dementierte indes erneute Meldungen über eine angebliche geplante Rückkehr von Hugo Chávez nach Venezuela. Die Entscheidung darüber liege alleine bei den behandelnden Ärzten, hieß es in einem Kommuniqué des Ministeriums für Kommunikation und Information. Regierungskritische Medien streuen seit Monaten immer wieder Informationen über den Gesundheitszustand des Staatschefs und angebliche Entscheidungen. Auch in deutschsprachigen Raum werden solche Falschmeldungen immer wieder verbreitet. Ebenso veröffentlichten verschiedene Medien ein Foto, dass angeblich Hugo Chávez nach seiner Operation zeigen sollte. Kurze Zeit später erklärte aber bereits die Nachrichtenagentur Reuters, dass es sich um ein Bild von 2011 handelt.

Für Aufklärung sorgte Boliviens Präsident Evo Morales. Nach dessen Informationen absolviert Chávez derzeit physiotherapeutische Maßnahmen, um die Folgen der offenbar schweren Operation zu bewältigen. Nach erfolgreicher Behandlung würde über eine Rückkehr entschieden. Dennoch zeigte sich Morales zuversichtlich, dass Chávez, "der zusammen mit anderen Präsidenten und sozialen Bewegungen für die Befreiung seines Volkes und des Kontinents kämpft, bald wieder auf internationalen Veranstaltungen präsent sein wird".

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