Venezuela / Spanien / Medien

El País veröffentlicht falsches Foto von Chávez

Spanische Zeitung muss Auflage neu drucken. Regierung kritisiert "Kampagne" gegen Venezuela und "fehlende Ethik"

el-pais-falsches-bild-chavez-januar-2013.jpg

Die Ausgabe von El País mit dem falschen Bild (rechts) und die korrigierte Version, die später verteilt wurde.
Die Ausgabe von El País mit dem falschen Bild (rechts) und die korrigierte Version, die später verteilt wurde.

Madrid. Die spanische Tageszeitung El País hat mit der Veröffentlichung eines falschen Fotos des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez international für Aufsehen gesorgt. Die Zeitung publizierte auf der Titelseite ihrer Donnerstagsausgabe sowie auf ihrer Website ein Bild, das angeblich Chávez in den Tagen nach seiner jüngsten Krebs-Operation zeigt. Darauf ist ein Mann zu sehen, der Schläuche im Mund hat und Chávez ähnlich sieht. Am Donnerstagmorgen musste das Blatt die Verbreitung der Zeitung einstellen und gab öffentlich zu, dass das Bild nicht den venezolanischen Präsidenten zeigt, sondern eine andere Person. Es stammt aus einem Youtube-Video aus dem Jahr 2008.

In einer Richtigstellung musste El País am Mittag eingestehen, dass auf dem Foto nicht das Staatsoberhaupt Venezuelas zu sehen ist. "Nachdem wir festgestellt haben, dass das Foto nicht Chávez zeigt, stoppte El País die Distribution seiner Druckversion sofort und sandte eine neue Ausgabe an die Verkaufsstellen", heißt es in der Erklärung. Das Bild habe lediglich "ungefähr eine halbe Stunde" auf der Website gestanden. Man habe es von der Agentur "Gtres Online" gekauft. Der Herausgeber der spanischen Zeitung "El Mundo de Madrid" sagte im Nachhinein, das Foto ebenfalls angeboten bekommen zu haben - für 30.000 Euro.

Schon vor dem Rückzug hatte die Zeitung neben dem Bild angemerkt, dass sie die Echtheit des "vor einigen Tagen aufgenommenen Bildes" nicht habe überprüfen können. Angeblich habe "weder Kuba noch Venezuela" Informationen über die Krankheit veröffentlicht, unter der Chávez leide. Dies habe eine "enorme Kontroverse" und die "Forderung nach Transparenz von Seiten der venezolanischen Opposition" provoziert. Die Schuld an der ausgebliebenen Verifizierung gab sie den "politischen Besonderheiten Kubas" und den "Restriktionen" in Bezug auf Informationen an, die "das Regime" vorgebe.

Im Nachhinein bat die Zeitung ihr Leser um Entschuldigung für die falsche Veröffentlichung. Man habe eine Untersuchung über die "begangenen Fehler" eingeleitet. Eine Entschuldigung beim venezolanischen Präsidenten, der Regierung oder der venezolanischen Bevölkerung unterließ sie jedoch.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

"Das Foto ist genauso falsch wie grotesk", sagte der Kommunikationsminister Venezuelas, Ernesto Villegas, als Reaktion auf die Veröffentlichung. "Würde El País ein ähnliches Foto von einer europäischen Führungspersönlichkeit veröffentlichen?", fragte er.

Die venezolanische Botschaft in Madrid kritisierte in einer Erklärung aufs Schärfste die "Kampagne gegen Hugo Chávez, das Volk und die Demokratie Venezuelas". Die Veröffentlichung zeige "die Grausamkeit und das Fehlen von Ethik in der Berichterstattung von El País über Venezuela" und außerdem die "Verachtung gegenüber dem Volk, das Präsident Chávez zum dritten Mal wiedergewählt hat". Das Geschehene stehe in einer Reihe mit den Berichten über den Putsch im April 2002, "als El País den Staatsstreich gerechtfertigt hat". "Kaum etwas in der Berichterstattung dieser Zeitung hat uns überrascht, aber mit dieser Aktion wurden alle Grenzen überschritten, nicht nur die der journalistischen Ethik, sondern des grundlegendsten Respektes der Rechte eines Menschen, der für seine Gesundheit kämpft".

Der Kommunikationsminister Villegas kündigte noch am Donnerstag an, juristische Schritte gegen El País zu prüfen.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr