Kolumbianische Paramilitärs als Telenovela-Helden

Privatkanal strahlt neue Seifenoper über Führungspersonen des Paramilitarismus aus. Opfer der Paramilitärs fordern die Einstellung der Fernsehserie

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Plakat der Seifenoper "Die drei Kaine".
Plakat der Seifenoper "Die drei Kaine".

Bogotá. Hunderte von Opfern des Paramilitarismus haben am Freitag vor dem Gebäude des kolumbianischen Fernsehkanals RCN gegen die Ausstrahlung der neuen Seifenoper "Die drei Kaine" demonstriert. Die Serie über drei Paramilitär-Chefs, die Castaño-Brüder, verletze die Würde der Opfer und sei eine "Apologie des Paramilitarismus", sagte María Eugenia Guzmán, die Witwe eines von den Paramilitärs ermordeten linken Politikers, gegenüber der Nachrichtenagentur EFE.

Carlos, Fidel und Vicente Castaño starteten ihre paramilitärischen Aktivitäten in den Achtzigern. In den Neunzigern wurde Carlos zur Führungsperson der paramilitärischen Strukturen des ganzen Landes und im Jahr 1997 formte er den nationalen Dachverband "Selbstverteidigungsgruppe Kolumbiens" (AUC). Enthauptungen mit Motorsägen, Massaker mit Folterritualen und Massenvertreibungen waren typische Aktionen dieser Gruppen. Die drei Brüder sind unter unklaren Umständen zu unterschiedlichen Zeiten verschwunden. Carlos Castaño soll im Jahr 2004 ermordet worden sein.

Die Zusammenarbeit zwischen Streitkräften, Großgrundbesitzern, Politikern, Konzernen und AUC wurde in mehreren Fällen bewiesen. Die Opfer des Paramilitarismus beschweren sich jedoch darüber, dass in der seit drei Wochen ausgestrahlten Serie der Paramilitarismus eher als Folge einer persönlichen Rache der Brüder Castaño wegen des Mordes an ihrem Vater durch die FARC-Guerilla erscheint, die isoliert und einsam durchgeführt würde. So heißt es in dem Brief, den die Demonstranten an den Sender RCN geschickt haben. Hinzu komme, dass "Die drei Kaine" die Linken, Bauern und weitere Opfer der AUC ausblende.

Deshalb erwarten die Opfer des Paramilitarismus, dass die Serie aus dem Fernsehprogramm gestrichen wird. Sie fordern außerdem eine öffentliche Entschuldigung von RCN und Sendezeit, um die Geschichte des Paramilitarismus aus der Perspektive der Opfer zu zeigen.

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Aufgrund der durch den Druck der Opfer entstandenen Kontroversen, haben einige Sponsoren ihre Verträge mit der Serie gekündigt. Staatliche Sponsoren wie das Kolumbianische Institut für Familienwohlfahrt (ICBF) hingegen haben die Kündigung ihrer Werbespots verworfen. Das ICBF wolle weiterhin in der Primetime die Zuschauer sensibilisieren und dafür werben, dass Kinder beschützt werden müssen.

Die meisten Sponsoren werden die Serie weiter unterstützen und RCN hat bisher kein Zeichen gesetzt, das auf ein Absetzen der TV-Produktion hindeutet. "Der Paramilitarismus ist eine großartige Geschichte, sie hat Dramaturgie. Es handelt sich um eine interessante Geschichte. Wir sagen nicht, dass sie gut ist, weil man in diesem Moment nicht sagen kann, ob sie gut oder schlecht ist", sagte der Vizepräsident von RCN, Fernando Gaitán.

Die RCN-Sendergruppe gehört Carlos Ardila Lülle, einem der reichsten Männer Kolumbiens. Ardila besitzt Getränke-, Textil- und Agrarunternehmen und hat das Monopol für die Ethanol-Produktion in Kolumbien. Der an die USA ausgelieferte Paramilitär-Chef Salvatore Mancuso hatte ausgesagt, dass die Getränkefirma Postobón, die sich ebenso in den Händen des Magnaten befindet, die AUC in den neunziger Jahren mit Geldmitteln unterstützte.

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