DruckversionEinem Freund senden
28.04.2013 Venezuela / Politik

Venezuela: US-Bürger soll Unruhen geschürt haben

Justizbehörden: Inhaftierter habe in Verbindung zur rechten Opposition gestanden. Behörden ermitteln wegen "Verschwörung"
Innen-und Justizminister Miguel Rodríguez Torres bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag

Innen-und Justizminister Miguel Rodríguez Torres bei der Pressekonferenz am vergangenen Donnerstag

Quelle: ciudadccs.info

Caracas. Wie Venezuelas Innen- und Justizminister Miguel Rodríguez Torres am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mitgeteilt hat, wurde der US-amerikanische Staatsbürger Timothy Hallet Tracy nach Ermittlungen des Inlandsgeheimdienstes (SEBIN) festgenommen. Ihm wird vorgeworfen, "aktiv an der Verschwörung der venezolanischen Rechten gegen die Demokratie des Landes" beteiligt zu sein.

Nach Aussagen Rodríguez Torres’ stehe Tracy in enger Verbindung zu "ultrarechten Gruppen der Opposition", deren Ziel es sei, nach ihrer Wahlniederlage das Land mit Angriffen auf staatliche Einrichtungen und Anhänger der Regierung zu destabilisieren, Chaos und Gewalt zu säen, um dann die Regierung dafür verantwortlich zu machen.

Der Minister verwies auf den Zusammenhang zwischen der Verhaftung und den seit Oktober 2012 laufenden Untersuchungen durch SEBIN im Zusammenhang mit einer "konspirativen Operation" die unter dem Decknamen "Conexión Abril" laufe. Aus den beschlagnahmten Dokumenten gehe hervor, dass damit beabsichtigt war, nach der Verkündung der Wahlergebnisse die Anhänger der Rechten zu mobilisieren und einen Bürgerkrieg auszulösen. So wollte man die Intervention einer ausländischen Macht provozieren, führte Rodríguez Torres aus.

Im Rahmen der Ermittlungen zur "Operation Conexión Abril" sei SEBIN ein US-Staatsbürger aufgefallen, der enge Verbindungen zu rechten Jugendorganisationen aufbaute. Bei der Beobachtung und Überwachung von Tracy sei festgestellt worden, wie es ihm gelang, chavistische Gruppen zu infiltrieren, um sich deren Schutz zu sichern, während er gleichzeitig sehr enge persönliche Beziehungen zur extremen Rechten pflegte. Verdächtig seien sein "konspiratives Verhalten", die Weiterleitung von Geldern an rechte Gruppen sowie der professionelle Umgang mit sicherheitsrelevanten Informationen gewesen. Der US-Staatsangehörige sei bereits zuvor zweimal festgenommen, aber wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Während Venezuelas Innenminister betonte, über Beweise gegen Tracy zu verfügen, darunter beschlagnahmte Videos und Speichermedien, sagten die Familie und Freunde des US-Amerikaners gegenüber der Nachrichtenagentur AP, Tracy sei Dokumentarfilmer, der einen Film über die Menschen und das Leben in Venezuela drehen wollte. Er habe bereits zwei Dokumentationen für den US-Sender Discovery Channel zum Thema Terrorismus und Schmuggel an der kanadischen Grenze zu den USA produziert.

Am vergangenen Freitag erklärte der Sprecher des US-Außenministeriums, Patrick Ventrell, die Regierung der USA informiere sich derzeit über den Fall und versuche über die Botschaft, Kontakt zu Tracy aufzunehmen. Zugleich verneinte er "jeglichen Versuch" seitens der USA, "die venezolanische Regierung zu destabilisieren oder jemanden in Venezuela zu schaden". Die USA haben Nicolás Maduro bislang nicht als gewählten Präsidenten Venezuelas anerkannt und fordern eine Neuauszählung der Stimmen.

Gestern erließ das zuständige Gericht in Caracas auf Antrag der Generalstaatsanwaltschaft Haftbefehl gegen Tracy wegen Verschwörung, Krimineller Vereinigung und Begünstigung. Außerdem wird Tracy vorgeworfen, im Besitz gefälschter Papiere gewesen zu sein.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr

Was Sie auch interessieren könnte ...

27.04.2013 Nachricht von Jan Kühn