Guatemala / Politik

Menschenrechtsorganisation: "Pérez Molina an Völkermord beteiligt"

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Otto Pérez Molina, alias Major Tito Arias, Anfang der achtziger Jahre in El Quiché
Otto Pérez Molina, alias Major Tito Arias, Anfang der achtziger Jahre in El Quiché

Guatemala-Stadt. Claudia Samayoa, Direktorin der "Einheit für den Schutz der Menschenrechtsverteidiger in Guatemala" (UDEFEGUA), ist überzeugt, dass Guatemalas Präsident Otto Pérez Molina aktiv am Völkermord beteiligt war. "Wir haben das Filmmaterial, auf dem auch dieser Herr zu sehen ist, mit den Massakrierten, Ermordeten vor seinen Füßen, während er die Bedeutung des Geschehens erläuterte," sagte Samayoa. Sie war mit ihrer Organisation eine treibende Kraft im Bemühen gewesen, Efrain Rios Montt vor Gericht zu bringen.

Mit der Verurteilung des ehemaligen Diktators Rios Montt zu 80 Jahren Haft wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wurde in Lateinamerika zum ersten Mal ein ehemaliger Diktator im eigenen Land verurteilt. Der pensionierte General war angeklagt gewesen, zwischen 1982 und 1983 Massaker angeordnet zu haben, bei denen 1.771 Angehörige der Volksgruppe der Ixil ermordet wurden. Das Urteil entlastet zwar seinen Mitangeklagten, den damaligen Chef des militärischen Geheimdienstes, Mauricio Rodriguez, weist aber zugleich den Generalstaatsanwalt an, gegen weitere mutmaßliche Verantwortliche der Morde zu ermitteln.

Dieser Punkt des Urteils bedeutet, dass es nun ein juristisches Mandat für die Aufnahme von Ermittlungen über die Verantwortung des jetzigen Präsidenten von Guatemala, Otto Pérez Molina, für die Massaker gibt. Pérez Molina war als Offizier Anfang der achtziger Jahre für Militäroperationen in der Region Ixil verantwortlich. Ein ehemaliger Heeresmechaniker, der unter Zeugenschutz steht, hatte Anfang April im Prozess gegen Rios Montt ausgesagt, dass die Soldaten auch "auf Befehl von Major Tito Arias, bekannt als Otto Pérez Molina", Dörfer in Brand gesetzt, die Bewohner aus ihren Häusern getrieben und sie dann umgebracht haben.

In einem Interview mit dem US-amerikanischen Nachrichtensender CNN nach der Urteilsverkündung bestritt Pérez Molina seine Beteiligung an den Massakern, um dann anzufügen, dass "ganze Familien die Guerilla unterstützt haben". Zwar treffe zu, dass er während des Krieges das Pseudonym Major Tito Arias benutzt habe. Die Zeugenaussage gegen ihn sei jedoch falsch. In dem Interview bestritt er zudem, dass es einen Völkermord in Guatemala gegeben hat.

Nach Ansicht von Guatemalas Kommission für historische Aufklärung (CEH), haben die Kämpfe zwischen Armee und Guerilla nur zehn Prozent der Opfer gefordert. Alles andere seien Verbrechen gegen die Menschlichkeit in einem fast 40 Jahre dauernden Konflikt gewesen, in dem 200.000 Menschen getötet wurden, 40.000 "verschwunden" sind und eineinhalb Millionen Menschen vertrieben wurden. 83 Prozent der Opfer waren Indigene. Für 97 Prozent der Verbrechen ist nach Angaben der UN-Wahrheitskommission direkt die Armee verantwortlich.

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