Kolumbien: Polizeigewalt gegen Kleinbauern

tibu_1.jpg

Bewohner von Tibú fordern eine geschützte Zone für Kleinbauern
Bewohner von Tibú fordern eine geschützte Zone für Kleinbauern

Ocaña, Kolumbien. Bei Zusammenstößen zwischen Kleinbauern und der Polizei in Ocaña im Nordosten des kolumbianischen Departments Norte de Santander sind Mitte der Woche zehn Menschen schwer verletzt und zahlreiche festgenommen worden.

Vor zehn Tagen haben in der Region Kundgebungen, Straßenblockaden und Demonstrationen von Kleinbauern begonnen. Mehr als 5.000 Einwohner der Gemeinden Ocaña und Tibú fordern die Schaffung einer geschützen Zone für die Bauern (Zonas de Reserva Campesina, ZRC) im Gebiet von Catatumbo. Sie lehnen die Projekte der sogenannten Bergbau-Lokomotive ab und setzen sich dafür ein, dass der illegale Anbau von Koka nach und nach durch nachhaltige produktive Projekte ersetzt wird.

Wie das kolumbianische Nachrichtenportal Agencia Prensa Rural (APR) berichtet, griffen am Mittwoch rund 200 Polizisten einer Sondereinheit die Protestierenden in der Gemeinde Ocaña mit Tränengas und Gummigeschossen an. Einer der Demonstranten sei durch Splitter einer Tränengasgranate getroffen worden und befinde sich in einem ernsten Zustand. Am Mittwoch wurden 200 Soldaten zur Verstärkung der Polizeieinheiten eingeflogen, so APR. Die Bewohner berichten von "extremer Brutalität durch die Polizei" und machen die Regierung verantwortlich für die "Bedrohung der Integrität der Demonstranten".

Nach Angaben der Lokalzeitung La Opinión haben rund 20 Bauernführer aus Protest gegen die Repression und die zunehmende Militärpräsenz im Gebiet von Catatumbo ein für diesen Tag angesetztes Treffen mit Landwirtschaftsminister Francisco Estupiñan abgesagt. Sie kündigten an, ihren Widerstand entschlossen fortzusetzen, bis der Staat ihnen bessere soziale Bedingungen garantiere.

Unterdessen haben 350 politische Gefangene, die im Gefängnis in Cúcuta inhaftiert sind, bekannt gegeben, dass sie in Solidarität mit den Kleinbauern in einen Hungerstreik treten. Ebenfalls aus Solidarität mit den Bauern besetzten Studenten mehrere Gebäude an den Universitäten von Norte de Santander in Cúcuta und Pamplona.

Die in der kolumbianischen Gesetzgebung verankerten Zonas de Reserva Campesina, deren Umsetzung nur schleppend vorangeht, stellen für die Bauern eine Rechtsgarantie ihrer Territorien dar und sollen die Selbstverwaltung, den Schutz der bäuerlichen Wirtschaft, die effektive Durchführung einer Agrarreform sowie den Wiederaufbau der nationalen Agrarwirtschaft ermöglichen. Die Ausweitung dieser Zonen ist auch Teil der Vereinbarung zur Landreform zwischen der FARC-Guerillla und der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr