Kolumbien: Zivilgesellschaft gegen Erdölkonzern

Bevölkerung der Erdölregion Puerto Gaitan fordert Ausweisung von Pacific Rubiales. Konzern wird Raub von Ressourcen und Umweltzerstörung vorgeworfen

el_cam1_0.jpg

Teilnehmer der Anhörung gegen das Erdölunternehmen Pacific Rubiales
Teilnehmer der Anhörung gegen das Erdölunternehmen Pacific Rubiales

Puerto Gaitán-Meta. Mehr als 1.000 Personen haben am vergangenen Wochenende in der kolumbianischen Landgemeinde Puerto Gaitán an öffentlichen Anhörungen

gegen das kanadische Erdölunternehmen Pacific Rubiales teilgenommen. Über 30 Gruppen von Indigenen, Kleinbauern, Menschenrechtlern und Erdölarbeitern waren beteiligt. Auf diesem Weg wollten die sozialen Organisationen des Bundesstaats Meta Beweise sammeln, um Mitte August ein inoffizielles Gerichtsverfahren mit dem Ziel durchzuführen, den Konzern wegen des Raubes von natürlichen Ressourcen, Umweltzerstörung, Vertreibung der Bevölkerung und Ausbeutung der Erdölarbeiter anzuklagen.

Dabei folgen sie dem Verfahrensmodell des Internationalen Tribunals der Völker (TPP), das angesichts der Straflosigkeit bei rechtswidrigen Handlungen von Staaten und Konzernen, diese durch nicht-staatliche Gerichtsprozesse untersucht und verurteilt. Für das Verfahren gegen Pacific Rubiales im August ist vorgesehen, dass sich sowohl Mitarbeiter der Firma als auch Vertreter der sozialen Organisationen beteiligen.

Die Teilnahme von 1.000 Menschen aus der Region bei der ersten Anhörung hat die Erwartungen der Veranstalter weit übertroffen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen haben die Anwesenden die Ausweisung des Konzerns aus Kolumbien gefordert. Viele der Zeugenaussagen gegen die Pacific kamen von den indigenen Gruppen der Achaguas, Uwa und Sikuani, deren Territorien von den Aktionen der Firma besonders stark betroffen sind.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

Thema der Anhörung war auch die Situation der Erdölarbeiter. Sie bekämen Elendslöhne und lebten unter Bedingungen, "die der Sklaverei sehr nah kommen“, sagte der Senator des Polo Democrático, Alexander López, bei der Anhörung im Zeugenstand aus. Dabei agierten die Provinz-, Zentral- und Lokalregierung gemeinsam mit der Polizei und den Streitkräften als Komplizen von Pacific Rubiales, um Proteste der Arbeiter zu unterdrücken, so die Antragsteller. In diesem Zusammenhang schilderte López, wie er im vergangenen November bei dem Versuch, als Mitglied der Menschenrechtskommission des Kongresses ein Erdölfeld zu besichtigen, von Armee- und Polizeiangehörigen angegriffen worden sei.

Während die multinationalen Konzerne in anderen lateinamerikanischen Ländern wie Argentinien oder Ecuador einen großen Teil ihrerer Gewinne an den Staat abführen müssen, bekäme der kolumbianische Staat nur fünf Prozent davon. "Im Jahr 2012 hat Pacific Rubiales nur zwei Prozent seines Erlöses an Kolumbien gezahlt", sagte der Vertreter der NGO Choapo, Ricardo Apolinar. Der enorme Gewinn von Pacific stehe im Gegensatz zur äußerst prekären Lage der Bevölkerung der Region, betonte Senator López.

Als Staatsanwalt des Gerichtsverfahrens fungiert der Anwalt Francisco Ramírez, Vorsitzender der Erdölgewerkschaft Funtramienergética. Auch kanadische Gewerkschafter und Menschenrechtler wie Terrylynn Brant von der Gewerkschaft der Angestellten im öffentlichen Dienst, der Anwalt des Gewerkschaftsverbands von Québec (CSN), Guy Martin und die Vertreterin der Menschenrechtskommission für Lateinamerika, Constance Vaudrin, haben an der Anhörung teilgenommen.

Neben den Vorwürfen im Rahmen dieser Anhörung war der Konzern Ende Juni dieses Jahres vom Vorsitzenden der venezolanischen Erdölgesellschaft PdVSA, Rafael Ramírez, beschuldigt worden, an einer Verschwörung gegen die Regierung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro beteiligt zu sein.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr