Venezuela / Politik

Kanadischer Ölkonzern an Verschwörung beteiligt?

Venezolanische Regierung beschuldigt Pacific Rubiales der Konspiration. NGO in Kolumbien soll Paramilitärs finanziert haben

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PdVSA-Präsident und Minister für Energie und Erdöl, Rafael Ramirez
PdVSA-Präsident und Minister für Energie und Erdöl, Rafael Ramirez

Caracas. Der Präsident des staatlichen venezolanischen Erdölunternehmens PdVSA, Rafael Ramírez, hat den transnationalen kanadischen Ölkonzern Pacific Rubiales beschuldigt, offen gegen die Regierung des südamerikanisches Landes zu konspirieren und rechtsgerichtete Kräfte zu finanzieren.

"Dieses Unternehmen ist sehr gefährlich", sagte Ramírez in einem Gespräch mit dem Journalisten José Vicente Rangel in dessen sonntäglicher Sendung "José Vicente Hoy" im Privatsender Televen.

Der kanadische Konzern, der im größten Erdölfeld Kolumbiens zusammen mit dem staatlichen kolumbianischen Unternehmen Ecopetrol arbeitet, wird nach Angaben von Ramírez von ehemaligen PdVSA-Mitarbeitern geleitet, die wesentlich am Erdöl-Streik in Venezuela zwischen 2002 und 2003 beteiligt waren. Er berichtete, dass unter den Leitern des Konzerns Augusto Lopez Valencia, Ronald Pantin, Miguel Rodríguez und zahlreiche weitere ehemalige Angestellte von PdVSA sind, die in Venezuela die Erdöl-Sabotage mit organisiert hatten.

Im Dezember 2002, nur acht Monate nach einem gescheiterten Putsch gegen den damaligen Präsidenten Hugo Chávez, versuchte die alte Führung der PdVSA die gesamte Produktion zu sabotieren. Die externe Firma Intesa, mehrheitlich im Besitz eines großen US-amerikanischen Informatik-Konzerns, die das Computersystem des Unternehmens verwaltete, legte jede Datenverarbeitung lahm. Die Mehrzahl der leitenden Angestellten verließen ihre Arbeitsplätze. Die alte technokratische Elite der PdVSA war sich sicher, unersetzbar zu sein und Chávez zum Rücktritt zwingen zu können. Nach fast zwei Monate andauerndem Notstand setzten jedoch die in den Produktionsstätten verbliebenen Arbeiter sowie Freiwillige, Techniker und Informatiker die Erdölförderung nach und nach wieder in Gang. Die am Streik beteiligten Angestellten wurden entlassen und die PdVSA vollständig umstrukturiert.

Der Journalist Rangel hatte Pacific Rubiales zuvor bereits in Verbindung mit den angeblichen Käufen von Kampfflugzeugen durch die venezolanische Opposition gebracht. Präsident Nicolás Maduro hatte zudem über Erkenntnisse des militärischen Geheimdienstes berichtet, nach denen die beiden Gruppen kolumbianischer Paramilitärs, die kürzlich in Venezuela verhaftet wurden, von den Führern einer Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Bogotá finanziert werden, die sich "Gente del Petroleo" (Leute des Erdöls) nennt und der auch Angestellte von Pacific Rubiales angehören. Diese NGO war nach dem Ölstreik in Venezuela von entlassenen PdVSA-Angestellten gegründet worden.

In dem Fernsehgespräch mit Rangel sagte der PdVSA-Präsident und Minister für Energie und Erdöl von Venezuela weiter, dass die extreme Rechte beabsichtige, das Staatsunternehmen an den kanadischen Konzern zu übergeben, wenn sie an die Macht käme. "Sie sehen unser Land als Beute an", sagte Ramírez. Er fügte hinzu, dass "der Angriff gegen PdVSA tatsächlich ein Angriff auf unsere Erdölpolitik ist, denn PdVSA ist ein Instrument unserer Souveränität." Die Arbeiter der Ölindustrie seien jedoch politisch bewusst und bereit, PdVSA zu verteidigen: "Unsere Erdölindustrie ist in den Händen von Patrioten". Die Pläne der Opposition "sind ein Thema, das uns mobilisiert, uns anspornt." Ramírez zeigte sich überzeugt, dass Präsident Nicolás Maduro die von Chávez entwickelte nationale Erdöl-Politik aufrechterhalten und verteidigen wird.

Pacific Rubiales hat unterdessen die Berichte dementiert, die auch von kolumbianischen Medien verbreitet wurden, nach denen der Konzern in ein "Komplott gegen die venezolanische Regierung verwickelt ist".

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