Friedensnobelpreisträger kritisiert Vereinbarung mit Chevron

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Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel
Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel

Buenos Aires. Der argentinische Friedensnobelpreisträger Adolfo Pérez Esquivel hat die geplante Vereinbarung zwischen der staatlichen argentinischen Ölgesellschaft YPF und dem US-Konzern Chevron kritisiert. Mit dem Abkommen würde die Souveränität Argentiniens im Energiesektor verletzt und umweltschädliche Methoden im Land eingeführt. Die Regierung von Präsidentin Cristina Fernández hatte die Erdölgesellschaft YPF im Mai 2012 wieder verstaatlicht. 51 Prozent der Aktien wurden in Folge von der damaligen spanischen Besitzerfirma Repsol übernommen.

"YPF wurde Repsol im Jahr 2012 weggenommen, um unsere Energie-Souveränität wiederzuerlangen, deshalb unterstützten wir damals die Initiative", erklärte der prominente Menschenrechtsaktivist in einer Pressemitteilung. "Aber durch diesen Vertrag mit Chevron liefern wir Argentinier unsere Ressourcen an die USA aus und machen YPF zu einem äußerst umweltschädlichen Unternehmen, das eine Methode benutzt, die als Fracking bekannt ist“, warnte er.

Eines der wichtigsten Entwicklungsvorhaben der Regierung Argentiniens ist die Förderung der Produktion von fossilen Brennstoffen im Land. Mit Chevron wurde ein Vorvertrag geschlossen, der eine Investition in die argentinische YPF in Höhe von einer Milliarde Dollar vorsieht und bereits zur Unterzeichnung ansteht. Die Pläne konzentrieren sich vor allem auf die Region Vaca Muerta in der patagonischen Provinz Neuquén, wo große Vorkommen an Erdöl und und Erdgas entdeckt wurden.

In seiner Erklärung sagte Pérez Esquivel, dass der Vertrag mit Chevron erst durch die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von Argentinien möglich wurde, mit der die Pfändung von 19 Milliarden US-Dollar gegen das transnationale Unternehmen aufgehoben wurde. Dies sei gleichbedeutend mit der Gewährung von Straffreiheit für ein Unternehmen, das sich der Justiz Ecuadors entzogen habe. Chevron "ignoriert ein Urteil, dass der Staat Ecuador und indigene Gemeinschaften gegen das Unternehmen gefällt haben, welches die Umwelt zerstört und die Menschenrechte in diesem Land verletzt hat."

Die mittlerweile von Chevron übernommene Ölfirma Texaco war in Ecuador verurteilt worden, weil sie bei der Erdölförderung im Amazonasgebiet von 1964 bis 1990 das Grundwasser mit toxischen Abfällen verschmutzt und damit den Bewohnern dauerhafte Gesundheitsschäden zugefügt hatte. Im Februar 2011  wurde Chevron deshalb zu Schadensersatzzahlungen von 8,6 Milliarden US-Dollar verurteilt, ein Berufungsgericht erhöhte ein Jahr später die Strafe auf 19 Milliarden US-Dollar. Da Chevron in Ecuador kein Kapital besitzt, das eingefroren werden konnte, trug die Klägergemeinschaft ihren Fall einem Gericht in Buenos Aires vor, forderte einen Pfändungsbeschluss und bekam Recht. Ende Januar dieses Jahres wurde die Konfiszierung des Firmenvermögens von Chevron in Argentinien beschlossen. Dieses Urteil wurde jedoch vom Obersten Gerichtshof in Buenos Aires wieder aufgehoben.

Laut Medienberichten aus Neuquén protestierten Vertreter der indigenen Mapuche-Bevölkerung dieses Gebietes am vergangenen Dienstag an drei Förder-Stellen in Vaca Muerta. Gleichzeitig demonstrierten mehr als hundert Bewohner von Quebracho vor dem YPF-Hauptquartier in Buenos Aires.

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