Chile: Mapuche mobilisieren gegen Repression

Mapuche in Provinz Malleco stellen Regierung Ultimatum und kündigen Selbstverteidigung an. Polizisten drohten mit neuen Morden

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Anhaltende Gewalt: Mapuche bei der Beerdigung eines Todesopfers
Anhaltende Gewalt: Mapuche bei der Beerdigung eines Todesopfers

Santiago de Chile. Nach der Ermordung des Aktivisten Rodrigo Melinao Lican haben in der südchilenischen Provinz Malleco 19 Mapuche-Gemeinden ein Ende der staatlichen Gewalt gefordert und mögliche Gegenmaßnahmen angekündigt. In einer Stellungnahme fordern sie von der chilenischen Regierung, die Verantwortung für den politisch motivierten Mord an Rodrigo Melinao zu übernehmen. Die Tat stehe in Zusammenhang mit der Militarisierung der Provinz, heißt es in dem Dokument weiter: "Diese feige Ermordung ist die logische Konsequenz der Militarisierung unseres Landes, welche wir seit langem anklagen - jedoch ohne gehört zu werden."

Zudem stellen die Gemeinden dem chilenischen Staat ein Ultimatum zur  sofortigen Demilitarisierung der Region, zum Abzug der Militärpolizei und zur Rückübertragung von widerrechtlich angeeignetem Land.

Die Provinz Malleco ist einer der zentralsten Schauplätze politischer Auseinandersetzungen in Chile und weist seit der Kolonialzeit eine lange Geschichte des Widerstands der Mapuche-Bewegung auf. Die aktuellen Konflikte rühren auch daher, dass im Rahmen der neoliberalen Politik der Regierung staatlich subventionierte Forstunternehmen in der Region angesiedelt werden. Dies führt nach Angaben der lokalen Aktivisten zu Landraub und Zerstörung der Lebensgrundlage der Mapuche-Gemeinden. Der Widerstand wird vom chilenischen Staat, unter anderem mit der Anwendung des Antiterrorgesetzes aus der Zeit der Militärdiktatur (1973-1990), kriminalisiert und bekämpft. So sitzen derzeit zahlreiche Mapuche-Aktivisten trotz umstrittener Gerichtsprozesse als politische Gefangene in Haft.

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Kurz nach der Veröffentlichung der Stellungnahme der 19 Gemeinden kam es in den Abendstunden des 12. August erneut zu Übergriffen durch Polizeikräfte auf die Gemeinde Mallekoche del Bajo Malleko. Dabei drangen die Polizisten schwer bewaffnet in das Haus des Gemeinde-Vermittlers ein und drohten mit weiteren Morden. Als Antwort auf die erneute Repression veröffentlichte die Gemeinde eine Erklärung, in der sie Maßnahmen zur Selbstverteidigung ankündigt: "Aufgrund dieser Bedrohungen und den wiederkehrenden Exzessen der Militärpolizei greifen wir auf die Selbstverteidigung zurück, um die physische und psychische Unversehrtheit unserer Kinder, Frauen und Ältesten zu schützen."

Auch in den vergangenen Tagen kam es wiederholt zu Demonstrationen, Blockaden und Solidaritätsaktionen für den Ermordeten Rodrigo Melinao. Wie die Online-Zeitung MapuExpress berichtet, versammelten sich am 19. August in der Stadt Los Andes Mapuche und Sympathisanten zu einer Kundgebung, um auf die Ereignisse in der Provinz Malleco aufmerksam zu machen. Die Gemeinde Rayen Mapu, aus der Rodrigo Melinao stammt, ruft in einer Erklärung zur Unterstützung des am 19. August begonnenen Gerichtsprozesses gegen drei Gemeindemitglieder auf. Darin heißt es: "Unsere Brüder haben nichts zu verbergen, wir wollen keine politischen Prozesse, welche unsere Brüder ohne Beweise verurteilen." Der laufende Prozess wird in der Erklärung als Schauprozess bezeichnet, der die Militarisierung legitimiere und die Forderungen der Gemeinden kriminalisiere.

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