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09.09.2013 Chile / Menschenrechte / Politik

Chile: Demonstration vor Colonia Dignidad

Angehörige fordern "Wahrheit - Erinnerung - Gerechtigkeit" für die Opfer der Colonia Dignidad

Angehörige fordern "Wahrheit - Erinnerung - Gerechtigkeit" für die Opfer der Colonia Dignidad

Parral, Chile. Rund hundert Menschen haben am gestrigen Sonntag vor dem Eingang zur Colonia Dignidad in Südchile gegen Straflosigkeit und für die Errichtung einer Gedenkstätte demonstriert. In der Deutschensiedlung sind während der Pinochet-Diktatur hunderte Menschen gefoltert und vermutlich über hundert ermordet worden.

Die Teilnehmer des Protests, vorwiegend Angehörige von verschwundenen Pinochet-Gegnern und einige ehemalige politische Gefangene, die in den 70er Jahren in der Colonia Dignidad festgehalten und gefoltert wurden, fuhren in einer Fahrzeugkarawane zur Deutschensiedlung. Dort fanden sie das Tor verschlossen und Polizeieinheiten vor. Koloniebewohner wiesen die Protestierenden darauf hin, dass sie Eintritt bezahlen müssten, um auf das Gelände der Siedlung zu gelangen. Die Colonia Dignidad betreibt heute auf dem Gelände ein Hotel und ein Restaurant. Die Bundesregierung unterstützt die Unternehmen der Siedlung seit einigen Jahren durch Wirtschaftsberatung und Führungskräfteschulungen. Die Menschenrechtsverletzungen, die dort begangen wurden, werden vor Ort nicht erwähnt.

Bei der Kundgebung forderte Gabriel Rodriguez, der 1975 in der Colonia Dignidad gefoltert wurde, die chilenische und die deutschen Regierung auf, eine Gedenkstätte an diesem Ort zu errichten. Die Touristen, die die Colonia Dignidad besuchen, sollten die Namen derjenigen kennen, die dort während der Pinochet-Diktatur ermordet wurden, so Rodriguez. Darüberhinaus sollten beide Regierungen geheim gehaltene Aktenbestände zur Colonia Dignidad freigeben.

Gedenken am Perquilauquén-Fluss

Wegen Beihilfe zum Mord an Juan Maino, Elisabeth Rekas und Antonio Elizondo wurden 2012 die Siedler Gerhard Mücke und Karl van den Berg zu fünf Jahren Haft verurteilt. Ein weiterer Angeklagter entzog sich einer Verurteilung durch Flucht nach Deutschland: Der Sektenarzt Hartmut Hopp lebt seit 2011 straflos in Krefeld. Gegen ihn ermittelt seit zwei Jahren die Staatsanwalt Krefeld, ohne bislang Anklage zu erheben.

In Berlin werden am morgigen Dienstag Menschenrechtsgruppen eine Demonstration von der chilenischen Botschaft zum Auswärtigen Amt durchführen.

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