Brasilien / Soziales

Bauunternehmen versklavt Fußball-WM-Arbeiter in Brasilien

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Blick auf den Internationalen Flughafen Sao Paulo/Guarulhos
Blick auf den Internationalen Flughafen Sao Paulo/Guarulhos in Brasilien

São Paulo. Bei einer Kontrolle des brasilianischen Arbeitsministeriums auf einer Baustelle auf dem internationalen Flughafen São Paulo (GRU) haben Beamte insgesamt 111 Arbeiter in "sklavenähnlichen Zuständen" aufgefunden. Wie das Arbeitsministerium auf seiner Webseite am Donnerstag vermeldete, seien die Männer von Brasiliens größtem Bauunternehmen OAS Ltda. für Erweiterungsarbeiten des Flughafens im Rahmen des Infrastrukturausbaus für die Fußballweltmeisterschaft der Männer im Juni/Juli 2014 angeheuert worden.

Unter den befreiten Arbeitern, die auf der Baustelle in menschenunwürdigen Verhältnissen in insgesamt elf Barracken gelebt hätten, seien auch sechs Indigene von der Pankararu-Ethnie gewesen, so die Presseerklärung des Ministeriums. Auf dem Flughafen lebten sie unter "unhygienischen Bedingungen" und litten Kälte und Hunger, stellt der offizielle Inspektorenbericht fest. OAS-Personalwerber hatten die Männer im Nordosten Brasiliens angeheuert und unter falschen Versprechungen in die Millionenstadt gelockt, berichtete die Tageszeitung Folha de St. Paulo.

Statt der durch die Personalwerber zugesagten Entlohnung von rund 627 US-Dollar im Monat wurde den Arbeitern die weite Anreise aus Bahia, Pernambuco, Piauí und Maranhão sowie Unterkunftskosten berechnet. Nach ihrer Ankunft mussten die Männer einen Monat bis zur Vertragsunterzeichnung und ersten Bezahlung warten. Diesen Zeitraum überlebten die Arbeiter nur durch Geldsendungen ihrer mittellosen Familien. Das Unternehmen OAS habe von den Zuständen keine Kenntnis gehabt, so Folha de S.Paulo über die Reaktion der beschuldigten Firma.

Aufmerksam auf die miserablen Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiter hatte die örtliche Gewerkschaft für Bauwirtschaft gemacht, woraufhin die Sondereinheit für den Kampf gegen Sklavenarbeit des Arbeitsministeriums tätig wurde. Dem Bau-Multi droht neben Entschädigungszahlungen von rund 2.600 US-Dollar pro Arbeiter, Nachzahlung von Sozialbeiträgen und ein Eintrag in die "Schwarze Liste" von überführten Unternehmen, auch eine Strafe von rund 60.000 US-Dollar. Darüber hinaus können Güter von OAS im Wert von bis zu 6,7 Millionen US-Dollar als Sicherheit beschlagnahmt werden.

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