Lehrer in Mexiko nehmen Unterricht wieder auf, Protest geht weiter

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Im Protestcamp der Lehrer in Mexiko-Stadt
Im Protestcamp der Lehrer in Mexiko-Stadt

Mexiko-Stadt/Cancún. In Mexiko haben Lehrer nach mehrwöchigen Protesten gegen eine Bildungsreform der Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto am Montag den Unterricht wieder aufgenommen. Der Disput um die Reform, nach der die Leistung von Lehrern stärker evaluiert, soziale Absicherungen absenkt und das Bildungssystem teilweise privatisiert werden soll, dauert jedoch an.

Bei einer Abstimmung hatten sich 61,8 Prozent der Lehrer dafür ausgesprochen, ihre Arbeit wiederaufzunehmen. 36,9 Prozent waren dagegen. Ein Teil der streikenden Lehrer bleibt in Mexiko-Stadt, wo sie den Platz rund um das Denkmal der Revolution besetzt halten. Die Pädagogen, die in die Schulen zurückkehren, werden vor Ort weiter protestieren, um die Bildungsreformen rückgängig zu machen.

Die Regierung von Peña Nieto drohte indes mit Massenentlassungen. Auch Gespräche mit Innenminister Miguel Ángel Osorio Chong haben keine Ergebnisse gebracht.

Im südlichen Bundesstaat Chiapas hat sich die Diözese in San Cristóbal derweil mit den streikenden Lehrern solidarisiert. Die örtliche Vertretung der katholischen Kirche lehnt die von der Regierung bereits beschlossenen Änderungen der Paragraphen 3 und 73 der mexikanischen Verfassung ab. Diese Verfassungsänderungen begünstigen die Privatisierung des Bildungssektors.

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Vergangenes Wochenende haben Lehrkräfte in den Bundesstaaten Morelos, Campeche und Veracruz den Zugang zu öffentlichen Gebäuden des Bildungsministeriums besetzt und Autobahnen blockiert. Neben der Forderung eines Stopps der Bildungsreform sprachen sie sich gegen die geplanten Reformen des Steuer- und Energiesektors aus.

In Bundesstaat Quintana Roo wurden die Protestierenden vor dem Rathaus in Cancún von der Bundespolizei mit Schlagstöcken und Tränengas angegriffen. Beobachter sprechen von acht verletzten Lehrern und vier verletzten Polizisten, 58 Teilnehmer seien festgenommen worden. Der massive Polizeieinsatz mit Tränengas wurde von Touristen beobachtet und dokumentiert

Am Montag setzten die Lehrer ihre Proteste am Rathaus fort, dabei sind sie von der Bundespolizei erneut mit Schlagstöcken attackiert worden. Zudem setzten auf den umliegenden Dächern postierte Polizeikräfte Gummigeschosse ein. Einige der Lehrer, die von der Polizei verfolgt wurden, fanden in einer Kirche Zuflucht. Der Pfarrer verhinderte, dass die Polizisten die Schutzsuchenden aus dem Gotteshaus herausholten.

Der Bürgermeister von Cancún, Paul Carrillo der Cáceres, bezeichnete die Polizeiaktion als rechtmäßig.

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