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John Kerry kündigt Ende der Monroe-Doktrin an

Interventionistische Politik der USA soll beendet werden. Analysten sind skeptisch und fragen nach konkreten Taten

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John Kerry vor der Organisation Amerikanischer Staaten
John Kerry vor der Organisation Amerikanischer Staaten

Washington. In einer Rede vor der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hat US-Außenminister John Kerry in der vergangenen Woche das Ende der Ära der Monroe-Doktrin erklärt. "Im Verlauf der Geschichte unserer Nation haben zahlreiche Präsidenten die Doktrin befolgt und eine ähnliche Entscheidung gefällt. Heute haben wir jedoch eine andere Wahl getroffen", sagte Kerry. Die im Jahr 1823 vom damaligen US-Präsident James Monroe formulierte Doktrin prägte für fast 200 Jahre die US-amerikanische Außenpolitik. Ursprünglich sollte die Doktrin die gegenseitige Nicht-Einmischung der Vereinigten Staaten und Europas festschreiben und die europäische Rekolonalisierung in Lateinamerika verhindern. Vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg wandelte sich die Monroe-Doktrin immer mehr zu einem Werkzeug gegen eine vermeintliche oder tatsächliche kommunistische Einflussnahme in Lateinamerika und diente als Legitimation für zahlreiche politische und militärische Interventionen der USA in der Region.

Das nun erklärte Ende des US-Interventionismus in Lateinamerika ist für Kerry der Anfang einer neuen Etappe der Beziehungen zwischen "gleichberechtigten Staaten". Zudem warb der US-Außenminister für eine stärkere Zusammenarbeit der USA mit Lateinamerika. Vor allem in Bezug auf "das Problem der globalen Erderwärmung" müssten beide Seiten stärker kooperieren.

Das sozialistische Kuba jedoch bleibe weiterhin eine "Ausnahme", so Kerry am Montag. Der brasilianischen Tageszeitung O Globo zufolge erkenne die US-Regierung zwar einige der jüngsten politischen Veränderung in Kuba an, jedoch schloss Kerry eine Annäherung an den Inselstaat kategorisch aus. Kubanische und lateinamerikanische Medien kritisierten die Rede auch vor diesem Hintergrund und sprachen von einem "angeblichen Ende der Monroe-Doktrin". Die linksliberale mexikanische Tageszeitung La Jornada beschuldigte die US-Regierung, sich in Kuba und Venezuela "in interne Themen einzumischen, zu denen die USA kein Recht haben, sich zu äußern".

Wie die nicaraguanische Zeitung  La Prensa berichtet, forderte eine Gruppe von Experten nach der Rede, dass den Ankündigungen des US-Außerministers nun konkrete Handlungen folgen müssen. Michael Shifter, Präsident der Gruppe Diálogo Internacional, sagte: "Lateinamerika will nun wissen, wie die Ankündigungen in der Praxis und in konkreten Themen umgesetzt wird." Während die US-Regierung der Rede von John Kerry große Bedeutung zuschreibt, fiel die Reaktion in Lateinamerika also verhaltener aus. Kein lateinamerikanisches Staatsoberhaupt reagierte.

Laut der britischen Tageszeitung The Guardian deuteten die meisten Analysten und Journalisten aus Lateinamerika die Rede Kerrys  als reine Rhetorik.

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