Gewalt in Venezuela reißt nicht ab

Erneute Ausschreitungen in mehreren Städten. Vereinte Nationen fordern Untersuchung

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Demonstrantin in Caracas
Demonstrantin auf der blockierten Autobahn in Caracas

Caracas. Venezuela hat in der Nacht auf Samstag eine erneute Welle von Demonstrationen und Gewaltausbrüchen erlebt. Eine von Studierenden errichtete Straßenbarrikade auf der zentralen Stadtautobahn von Caracas wurde am Freitagnachmittag von der Nationalgarde unter Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas entfernt. Präsident Nicolás Maduro hatte zuvor angekündigt, keine Straßenblockaden mehr dulden zu wollen. "Wir werden nicht mehr zulassen, dass ein paar Verrückte den Leuten das Leben schwer machen und die Autobahn blockieren", sagte Maduro.

Vertreter der Studierenden, die seit Tagen gegen die Regierung von Maduro protestieren, gelangten in einem Demonstrationszug zum Sitz der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), wo sie eine Petition übergaben. In dem Dokument werden die staatlichen Sicherheitsorgane beschuldigt, "brutale Repression" gegen Demonstrierende auszuüben. Die venezolanische Regierung setze zudem "im Stil von autoritären und kriminellen Regimen" nicht-staatliche "Terrorkollektive" und "paramilitärische Schwadronen" ein, um Protestierende einzuschüchtern und zu verfolgen. Gefordert wurden die sofortige Freilassung aller im Zusammenhang mit den jüngsten Gewaltakten inhaftierten Personen und die Einstellung ihrer Gerichtsverfahren.

Am Abend kam es in den Stadtteilen Altamira und Chacao erneut zu Ausschreitungen, bei denen vonseiten der Protestierenden Steine und Feuerwerkskörper geworfen wurden. Einsatzkräfte der Bolivarischen Nationalpolizei (PNB) und der Nationalgarde trieben die Demonstrierenden mit Tränengas auseinander. Während mehrerer Stunden errichteten Vermummte immer wieder Barrikaden aus brennendem Abfall. Laut dem oppositionellen Bürgermeister von Chacao, Ramón Muchacho, wurde unter anderem auch ein Krankenwagen der Stadtverwaltung angegriffen. Infolge von Vandalismusschäden blieben heute drei Stationen der Metro in den betreffenden Vierteln geschlossen.

Auch in den Bundesstaaten Carabobo und Táchira kam es in der Nacht zu Vandalismus und Angriffen auf Regierungsgebäude. In Carabobo wurden nach Angaben des Gouverneurs Francisco Ameliach 11 Personen festgehalten, die mehrere Fahrzeuge angezündet hatten. Im westlichen Grenzstaat Táchira, wo die Übergriffe bereits seit über einer Woche andauern, griffen Gruppen von Gewalttätern eine Stromverteilerstation und eine Einrichtung des Gesundheitsministeriums an. Darüber hinaus wurden die Zufahrten zum Militärkrankenhaus von San Cristóbal und zum Flughafen von San Antonio del Táchira blockiert.

Unterdessen drückte das UN-Hochkommissariat für Menschenrechte am Freitag seine Besorgnis über die Eskalation der Gewalt in Venezuela aus und verlangte eine "unverzügliche, umfassende und unabhängige" Untersuchung der Vorkommnisse. "Wir haben beunruhigende Informationen über die Einschüchterung von Journalisten erhalten, in einigen Fällen wurde ihre Ausrüstung konfisziert", sagte Rupert Colville, Sprecher des Hochkommissariats. Venezuelas Vertreter bei den Vereinten Nationen in Genf, Jorge Valero, wies die Vorwürfe zurück. Es lägen genügend Beweise vor, dass die Unruhen von "faschistischen Gruppen" mit dem Ziel hervorgerufen wurden, "Chaos und Aufruhr in der Bevölkerung zu stiften", so der Botschafter.

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