"Madres de Soacha" fordern: Verteidigungsminister muss gehen

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Mütter von Soacha in Barcelona (2012)
Mütter von Soacha in Barcelona (2012)

Bogotá. Die "Madres de Soacha", deren Söhne vom Militär außergerichtlich getötet wurden, haben Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos aufgefordert, Verteidigungsminister Juan Carlos Pinzón seines Amtes zu entheben. Sie begründen dies mit der "offensichtlichen Nachlässigkeit oder Komplizenschaft" des Ministers in einem Komplott, um den Fortschritt der Untersuchungen wegen der illegalen Hinrichtungen ihrer Söhne zu verhindern. So heißt es in dem offenen Brief, den die Mütter am Donnerstag an Santos gerichtet haben.

Die Mütter-Vereinigung bezieht sich auf die Telefongespräche zwischen dem Oberkommandanten der Armee, General Leonardo Barrera, und dem inhaftierten Oberst Robinson Gonzales del Río, welche die Zeitschrift Semana letzte Woche enthüllt hatte. Barrera sagte Robinson am Telefon, er solle sich von den “Arschlöscher-Staatsanwälten“, die seinen Fall untersuchen, nicht „ficken lassen“. "Bildet eine Mafia, um Staatsanwälte und den ganzen Mist anzuzeigen", rät der General seinem Untergebenen, um die Aktion der Justiz so zu stoppen.

In dem Brief werfen die Mütter Präsident Santos vor, den General Barrera nur wegen "respektloser Ausdrucksweise" abberufen zu haben. Die Äußerungen der Militärangehörigen seien jedoch vielmehr der klare Beweis dafür, dass es in den obersten Leitungsebenen des Militärs ein Komplott gäbe, um die Untersuchungen der Justiz zu sabotieren und die Straflosigkeit von hochrangigen Offizieren zu erreichen. Die diesbezügliche Untätigkeit des Verteidigungsministers haben auch mehrere Parlamentarier kritisiert und ebenso seine Entlassung verlangt.

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Die Mütter von Soacha ersuchen Santos außerdem, dass die wegen illegaler Hinrichtungen inhaftierten Offiziere in Zivilgefängnisse überstellt werden. Mehrere Medien haben in den vergangenen Jahren darüber berichtet, wie Häftlinge, die sich gerade in militärischen Einrichtungen befinden, sich frei bewegen, weiterhin ihre Löhne bekommen und sogar Urlaub machen können. Dass das Militär an sie dazu noch Milliardenaufträge vergibt, wie Semana enthüllte, sei ein weiterer Beweis der Korruption innerhalb der Streitkräfte.

"Wir akzeptieren von Ihrer Regierung, die die Mörder unserer Angehörigen deckt oder belohnt, keine weiteren Erniedrigungen", schreiben die Mütter von Soacha am Ende des Briefes.

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