Landlose in Brasilien fordern: "Agrarreform jetzt"

Landlosenbewegung startet Aktion "Roter Karneval". Besetzung von 100 Landgütern angekündigt

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Setzt sich in Brasilien seit 30 Jahren für gerechte Landverteilung ein: "Die "Bewegung der Landarbeiter ohne Boden" (MST
Setzt sich in Brasilien seit 30 Jahren für gerechte Landverteilung ein: "Die "Bewegung der Landarbeiter ohne Boden" (MST

Brasília. Um Druck auf die Regierung bei der Umsetzung der Agrarreform auszuüben, hat die Landlosenorganisation "Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra" (MST) in Brasilien am vergangenen Wochenende 17 Landgüter besetzt.

Einer der Sprecher der MST, José Rainha Júnior, sagte gegenüber Pressevertretern, die Besetzungen im Südosten des Landes seien Teil der Aktion "Roter Karneval", bei der in den kommenden Tagen insgesamt 100 Ländereien besetzt werden sollen. Mehr als 3.000 Landlose werden sich beteiligen, kündigte Rainha an. Die Bewegung habe am Montag ein Schreiben an Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff geschickt, in dem sie zur sofortigen Umsetzung der Agrarreform aufgefordert wurde.

Die bislang besetzten Ländereien liegen in den Gemeinden Presidente Prudente, Dracena und Araçatuba. Die "Bewegung der Landarbeiter ohne Boden" wurde dabei von der Nationalen Vereinigung der Landwirte sowie von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und Verbänden unterstützt. Der MST-Sprecher erinnerte an das kürzliche Treffen mit dem Präsidenten des Nationalen Institut für Siedlung und Agrarreform (INCRA), Carlos Guedes und dem Minister für Agrarentwicklung , Pepe Vargas. Die Regierung habe akzeptiert, dass rund 100.000 Familien, die mehrheitlich zur MST gehören, in ihren provisorischen Ansiedlungen bleiben, so lange sie auf ein Stück Land warten. Außerdem sei zugesagt worden, die Übergabe nicht genutzter Ländereien im Nordosten an die Landlosenbewegung zu prüfen. In Brasilien besitzen etwa 10 Prozent der Bevölkerung rund 80 Prozent des Landes. Auf 20 Großgrundbesitzer kommen 20 Millionen Hektar Land, während 3,3 Millionen Kleinbauern zusammen gerade einmal ebenso viel Land besitzen. Von den Böden, die Großgrundbesitzern oder Konzernen gehören, wird etwa die Hälfte gar nicht bewirtschaftet und nur als Spekulationsobjekte benutzt.

Bei einer Zusammenkunft mit Delegierten der MST im Rahmen des Kongresses der Landlosenbewegung im vergangenen Februar hatte Präsidentin Rousseff versprochen, an 35.000 Bauern Land zu übergeben und ihnen Zugang zu staatlichen Förderprogrammen zu ermöglichen. Die Delegierten der MST kritisierten bei dem Treffen die unzureichende Umsetzung der Agrarreformen, die zu großer Unzufriedenheit unter den Landlosen und zu einer andauernden Konzentration von Land geführt habe. Bereits seit dem Amtsantritt Rousseffs im Jahr 2011 hatte die Landlosenbewegung Gespräche gefordert, um die Probleme der ländlichen Regionen und ihre Forderungen an die Regierung vorbringen zu können. Nach massiven Protesten im Februar hatte die Präsidentin schließlich einem Treffen zugestimmt.

Trotz der gemachten Zusagen müsse der Kampf um Fortschritte bei der Agrareform weitergeführt werden, so Rainha Júnior.

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