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20.04.2014 Argentinien / Wirtschaft

Argentinien: Urteil gegen Standard & Poor's wegen Manipulation

Das Oberste Gericht Argentiniens gab das Urteil gegen S&P in Buenos Aires bekannt

Das Oberste Gericht Argentiniens gab das Urteil gegen S&P in Buenos Aires bekannt

Buenos Aires. Das Oberste Gericht Argentiniens hat die US-amerikanische Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) wegen Manipulation verurteilt. Die Richter verhängten gegen S&P eine Geldstrafe von 20.000 Pesos (rund 2.000 Euro) wegen der falschen Beurteilung der Bonität der US-Banken Citigroup und FleetBoston während der argentinischen Finanzkrise im Jahr 2002. Dabei seien zum Schaden des argentinischen Staates und privater Anleger die vorgesehenen Abläufe bei der Bewertung der Finanzhäuser nicht eingehalten worden, heißt es im Urteil.

Im Jahr 2001 erlitt das argentinische Bankensystem eine Kapitalflucht solchen Ausmaßes, dass die damalige Regierung von Präsident Fernando de la Rúa die Guthaben sämtlicher Banken einfrieren ließ. Die Nachfolgeregierung von Eduardo Duhalde verfügte im folgenden Jahr den Umtausch aller blockierten Gelder in argentinische Pesos. S&P hatte in dieser Situation die Titel von Filialen mehrerer US-amerikanische Banken fälschlicherweise als sicher eingestuft. Dies aufgrund der irrtümlichen Annahme, die Muttergesellschaften würden für mögliche Verluste von Anlegern eine Garantie übernehmen.

Das Oberste Gericht bestätigte nun die Verurteilung durch eine niedrigere Instanz, gegen das S&P in Berufung gegangen war. Neben dem Unternehmen wurden auch die Direktoren und Mitglieder des verantwortlichen Ausschusses von 2002 ins Urteil einbezogen. Die "Standards bezüglich Sorgfalt und Transparenz" seien von S&P in einem Maße verletzt worden, das die Rechtssicherheit für Konsumenten und Kunden beeinträchtigt habe, so das Gericht. Außerdem müsse sich die Ratingagentur aufgrund ihres Verhaltens fehlende Integrität bei der Ausübung ihrer Tätigkeit vorwerfen lassen.

Die Richter verwiesen auf die Verantwortlichkeit von Ratinagenturen gegenüber der Gesellschaft: "Die Bewertungsagenturen spielen eine fundamentale Rolle in der Entwicklung der Kapitalmärkte und in der Förderung der Transparenz der Informationen", heißt es in der Urteilsbegründung. Deshalb müssten die Mitarbeiter solcher Unternehmen "einen hohen Spezialisierungsgrad in der Materie und eine zweifellose Moral" aufweisen.

Argentinien ist eines der Länder, die in den vergangenen Jahren im Rahmen der Gruppe der 20 wichtigsten Industrie-und Schwellenländer (G20) wiederholt darauf hingewiesen haben, dass die internationalen Finanzmärkte strenger beaufsichtigt werden sollten.

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