Indigene in Paraguay im Kampf um ihre Ländereien

Freude über Landrückgabe bei indigener Gruppe der Sawhoyamaxa. Blutiger Zusammenstoß bei versuchter Vertreibung einer Y’apo-Gemeinde

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Freude über den Erfolg nach 23 Jahren Kampf mit zahlreichen Gerichtsverfahren
Freude über den Erfolg nach 23 Jahren Kampf mit zahlreichen Gerichtsverfahren

Asunción. Vor wenigen Tagen hat der jahrzehntelange Kampf der Sawhoyamaxa-Indigenen für die Rückübertragung ihrer angestammten Ländereien ein erfolgreiches Ende gefunden. Mit der Unterschrift des paraguayischen Präsidenten Horacio Cartes trat das vom Kongress vor einigen Wochen verabschiedete Gesetz Nr.5194 in Kraft, das den Sawhoyamaxa knapp 15.000 Hektar ihres Landes rückübereignet. Rund 20 Jahre campierten die 160 Familien der Ethnie der Enxet-Indianer in prekären Verhältnissen ohne Wasser und Strom an der Überlandstraße zwischen Pozo Colorado und Concepción im paraguayischen Chaco.

In den Jahren der Stroessner-Diktatur (1954-1989) erwarb der deutsche Geschäftsmann Heribert Rödel die Ländereien der Sawhoyamaxa und vertrieb diese nach und nach von ihrem Land. Die Sawhoyamaxa begannen einen 23 Jahre andauernden Kampf mit zahlreichen Gerichtsverfahren. Einen ersten Sieg errangen sie im Jahr 2006, als der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte nach zweijähriger Verhandlung zu ihren Gunsten entschied und Paraguay zur Rückübertragung der Ländereien innerhalb von drei Jahren verpflichtete. Da es in den Folgejahren zu keiner Einigung mit dem Besitzer über den Kaufpreis kam, leitete der Staat Paraguay im vergangenen Jahr ein Enteignungsverfahren ein.

Nach der Ratifizierung des Gesetzes durch den Präsidenten beendeten die Sawhoyamaxa ihre tägliche, seit Wochen andauernde  Nachtwache vor dem Präsidentenpalast und feierten ihren Sieg in den Straßen der Hauptstadt Asunción. "Wir sind glücklich, unsere Mutter Erde zurückerobert zu haben, denn ohne Erde kann niemand leben, gibt es keine Freiheit und kein Glück", sagte der Vertreter der indigenen Kommune, Leonardo González.

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Noch während die Sawhoyamaxa ihre Ländereien wieder in Besitz nahmen, kam es wenige Tage später zum Versuch der erneuten Vertreibung einer indigenen Gemeinschaft. In den Morgenstunden des 15.Juni drangen Angestellte eines privaten Sicherheitsdienstes in den Lebensbereich der Y’apo ein und versuchten, diese zu vertreiben. Bei der blutigen Auseinandersetzung verlor ein Sicherheitsbeamter sein Leben und 14 Indigene wurden zum Teil schwer verletzt, darunter auch Frauen und Kinder. Die Sicherheitskräfte zerstörten Hütten und Gebetsstätten der Gemeinschaft und schossen mit Gummi- und zum Teil Bleigeschossen auf die sich wehrenden Menschen.

Angeheuert wurde der private Sicherheitsdienst Laguna S.A. von einem brasilianischen Großgrundbesitzer unbekannten Namens mit Wohnsitz in São Paulo, der die Ländereien in Canindeyú als sein Eigentum deklariert. Geplant ist die Rodung einer großen Fläche zur Erweiterung seiner Rinderhaltung. Die Indigenen hingegen verweisen darauf, dass es sich bei diesen Ländereien mit großem Waldbestand und fruchtbarem Boden um die Wiege ihres Stammes handelt und beanspruchen 5.000 Hektar des Gebietes.

Das paraguayische Institut für indigene Belange (INDI) erklärte die versuchte Vertreibung indes für unrechtmäßig, da kein richterlicher Beschluss vorlag. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen drei der 50 beteiligten Sicherheitskräfte. Aber auch ein Anführer der Indigenen wurde unter dem Verdacht der Gewaltanwendung in Gewahrsam genommen. Am Tag nach dem Überfall entschuldigte sich ein Angehöriger des Sicherheitsdienstes bei den Indigenen. Er sagte aus, dass er selbst arm sei und den Auftrag angenommen habe, da er keine andere Arbeit findet. Allerdings sei er eingestellt worden, um die Grundstücksgrenzen zu schützen. Zu dem Überfall sei er spontan hinzugezogen worden. Die Y’apo nahmen seine Entschuldigung an und empfahlen ihm, in Zukunft die indigenen Völker zu respektieren.

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