Forum der Opfer des bewaffneten Konflikts in Kolumbien

foros_victimas.jpg

Fabrizio Hochschild (links), UN-Vertreter in Kolumbien, und Alejo Vargas von der Nationaluniversität bei der Eröffnung des Forums
Fabrizio Hochschild (links), UN-Vertreter in Kolumbien, und Alejo Vargas von der Nationaluniversität bei der Eröffnung des Forums

Villavicencio. Am 4. und 5. Juli hat in Kolumbien das erste von drei Regionalforen über den Umgang mit den Opfern des bewaffneten Konflikts stattgefunden. Die Konferenzen finden auf Anregung von Kolumbiens Regierung und der FARC-Guerilla statt. An der Veranstaltung in Villavicencio beteiligten sich laut den Veranstaltern über 400 Menschen. Dabei seien 70 Prozent selbst Opfer des Konfliktes gewesen, während Repräsentanten der Regionen und von politischen Organisationen die übrigen 30 Prozent ausmachten.

Ziel des Zusammentreffens war vor allem, "mit den Opfern zusammen einen Weg der Wiedergutmachung und des Friedens zu finden", so die Veranstalter. Die FARC hatten sich kürzlich öffentlich für Opfer in der Zivilbevölkerung verantwortlich gezeigt. In den Friedensgesprächen in Havanna einigten sich Regierungsvertreter und Guerilla auch auf Grundprinzipien für die Verhandlungen über Opferrechte und ihre Entschädigungen. Die Opfer stünden im Mittelpunkt des Friedensprozesses, versicherten sie.

Im Konflikt in Kolumbien sind nach Schätzungen mehr als 220.000 Menschen ermordet und über vier Millionen vertrieben worden. Alleine der Veranstaltungsort des Forums, Villavicencio, zählt rund 600.000 Einwohner, von denen mindestens 125.000 direkt Opfer des über 50-jährigen Konflikts geworden sind.

Zur Eröffnung des Forums sprach Fabrizio Hochschild, der Vertreter der Vereinten Nationen in Kolumbien, über die Bedeutung der Wiedergutmachung und der Garantie der Nicht-Wiederholung von Vertreibung. Die Frage nach Gerechtigkeit für die Opfer sei vielleicht die schwierigste und in jedem Fall die Wichtigste im Friedensprozess, sagte Hochschild.

In den zwei Tagen des Treffens wurden Vorschläge der Opfer gesammelt. Ein weiteres Forum soll am 10. und 11. Juli in Barrancabermeja stattfinden, eine Woche später dann ein drittes in Barranquilla. Jeweils im Anschluss sollen die gemeinsam erarbeiteten Vorschläge der Regierung und den FARC übergeben werden.

Neben den regionalen Treffen wird am 5. und 6. August eine landesweite Konferenz in Cali stattfinden, zu dem über 200.000 Teilnehmer erwartet werden. Gefördert werden die Foren durch die Vereinten Nationen und die Nationaluniversität.

Kritik äußerten indes einige kolumbianische Menschenrechtsgruppen und Organisationen der Opfer. Sie werfen den Organisatoren vor, systematisch an der Teilnahme behindert worden zu sein: Die Einschreibung sei nur an einem Tag im Internet möglich gewesen. Das sei für einen Großteil der auf dem Land lebenden Betroffenen nicht möglich gewesen. Außerdem seien Opferorganisationen nicht eingeladen worden, die den Verhandlungen gegenüber kritisch seien.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr