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Kampagne für inhaftierte Frauen in El Salvador

Das mittelamerikanische Land hat eines der strengsten Gesetze der Welt gegen Abtreibungen. 17 Frauen zu langjährigen Haftstrafen verurteilt
Kundgebung für die Freilassung der 17 inhaftierten Frauen

Kundgebung für die Freilassung der 17 inhaftierten Frauen

San Salvador. Die Frauenrechtsorganisation "Bürgerinnenvereinigung zur Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs" in El Salvador hat eine Petition beim Parlament des mittelamerikanischen Landes eingereicht, um die Begnadigung von 17 Frauen zu erreichen, die wegen angeblicher Abtreibungen zu Haftstrafen zwischen 25 und 40 Jahren verurteilt wurden. Zuvor hatten die Inhaftierten Fehlgeburten und andere Komplikationen im Zusammenhang mit der Schwangerschaft erlitten.

El Salvador hat seit einer Verfassungsreform im Jahr 1998 eines der strengsten Gesetze der Welt, mit dem Abtreibungen verhindert werden sollen. Ein Schwangerschaftsabbruch steht auch dann unter Strafe, wenn Gesundheit oder Leben der werdenden Mutter auf dem Spiel stehen. Kliniken und niedergelassene Ärzte sind verpflichtet, im Falle eines Verdachtes auf Abtreibung die Patientin anzuzeigen, sonst machen sie sich selbst strafbar. Es kommt immer wieder vor, dass im Fall einer Früh- oder Fehlgeburt Anzeige gegen die Frau erstattet wird.

Die Frauenrechtsorganisation macht seit Anfang April dieses Jahres mit nationalen und internationalen Protesten auf die Situation von 17 inhaftierten Frauen aufmerksam und fordert ihre Freilassung. Sie hatten aufgrund von Komplikationen während der Schwangerschaft medizinische Hilfe gesucht.  Ärzte und Krankenpfleger unterstellten ihnen in mehreren Fällen jedoch Abtreibungsversuche. Staatsanwälte und Richter verzichteten weitgehend auf Ermittlungen und fällten auf fehlerhafter Datenbasis und mit massiven Verfahrensfehlern Urteile, beklagen die Frauenrechtsorganisationen. In der Regel fehlten den Frauen  zudem die Kenntnisse ihrer Rechte und die finanziellen Mittel, um eigene Rechtsanwälte zu engagieren.

Das Schicksal der17 Frauen zeigt eines der offensichtlichsten Defizite des Abtreibungsgesetzes in El Salvador. Doch die Konsequenzen treffen alle Salvadorianerinnen: Aus Angst vor einer Kriminalisierung werden Ärzte meist erst dann aufgesucht, wenn der gesundheitliche Schaden für Mutter und Kind nicht mehr abzuwenden ist. Mit einer modernen Gynäkologie und Schwangerschaftsbetreuung könnten sehr viele dieser gesundheitlichen Probleme vermieden oder behandelt werden. Die Angst treibt Frauen jedoch in die Illegalität und vergrößert enorm die Sterblichkeit für Mütter und Kinder.

In Deutschland hat sich die ökumenische Entwicklungshilfeorganisation inkota-netzwerk der Kampagne zur Freilassung der Frauen angeschlossen und bittet mit einer Unterschriftenaktion um Unterstützung. Abgeordnete des Europaparlamentes unterstützen den Appell ebenfalls.

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10.05.2014 Nachricht von Christa Rahner-Göhring