Fußballclub in Brasilien wegen Rassismus gesperrt

Aggressive Sprechchöre von Fans von Grêmio Porto Alegre gegen Torhüter des FC Santos. Sanktionen gegen untätigen Schiedsrichter, Fans und Verein

arena_do_gremio.jpg

Arena von Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense
Arena von Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense

Porto Alegre, Brasilien. Der brasilianische Fußballverband hat einstimmig beschlossen, den Spitzenclub aus Porto Alegre, Grêmio Porto Alegre, wegen rassistischer

Verfehlungen seiner Fans vom Pokalwettbewerb auszuschließen. Das ungewöhnlich harte Urteil schafft einen Präzedenzfall für den gesamten lateinamerikanischen Fußball.

Ursache für den Ausschluss des Fußball-Spitzenklubs mit dem offiziellen Namen Grêmio Foot-Ball Porto Alegrense aus der Pokalsaison waren fremdenfeindliche Sprechchöre beim Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Santos (0:2) am 28. August 2014. Die Grêmio-Anhänger hatten besonders den dunkelhäutigen Santos-Torhüter Mário Lúcio Duarte Costa – Spitzname "Aranha" (Spinne) – rassistisch beleidigt und ihn als "Macaoa" (Affe) tituliert.

"Sie beschimpften mich als stinkenden Schwarzen, angekohlten Schwarzen. Sie begannen mit ihrem Chor der Affengeräusche. Ich habe versucht, es auszuhalten. Aber als dann die Affengeräusche dazukamen, konnte ich nicht mehr", sagte Aranha rückblickend.

Der Torhüter beschwerte sich direkt beim Schiedsrichter Wilton Pereira Sampaio. Doch der hielt es nicht einmal für nötig, die rassistischen Vorkommnisse im Spielbericht zu vermerken. Das kommt dem Schiedsrichter und seine Assistenten nun teuer zu stehen. Das Sportgericht belegte Sampaio mit einer Geldstrafe und einer Sperre von 90 Tagen. Seine Assistenten sind 60 Tage gesperrt und müssen umgerechnet rund 350 Euro Strafe entrichten.

Neben dem Aus im Pokal muss der vom ehemaligen brasilianischen Nationaltrainer Luis Felipe Scolari trainierte Verein eine Geldstrafe in Höhe von rund 17.000 Euro zahlen. Der Klub hat bereits Einspruch gegen das Urteil eingelegt.

Ihnen gefällt, was Sie lesen?

Das freut uns. Unterstützen Sie unsere Arbeit, regelmäßige Spenden helfen uns, das Projekt amerika21 nachhaltig aufzustellen.

Ihr amerika21-Team

Die an den rassistischen Schmähungen beteiligten Fans erhielten von der Disziplinar-Kommission des Obersten Sportgerichtes (Superior Tribunal de Justiça Desportiva, STJD) ein zweijähriges Stadionverbot. Zudem droht ihnen eine zivilrechtliche Strafverfolgung, denn Duarte Costa hatte unmittelbar nach dem Spiel Anzeige erstattet. Eine junge Frau, die per Fernsehaufzeichnung identifiziert worden war, wie sie "Macaco" brüllt hat bereits noch weiterreichende Folgen zu tragen. Ihr Chef erkannte sie in einer TV-Aufzeichnung und kündigte ihr fristlos.

Der Präsident des Weltfußballverbandes, Joseph Blatter, begrüßte die Entscheidung des brasilianischen Verbandes und twitterte: "Ich habe schon immer gesagt, dass der Fußball härter gegen Rassismus vorgehen muss. Brasilien hat das richtige Zeichen gesetzt." Schon im Vorfeld der WM hatte der Weltverbands-Vorsitzende auf einen 2013er Beschluss der FIFA hingewiesen, nach dem ein Verein, dessen Fans durch Rassismus auffallen, Punkte verlieren oder aus dem Pokalwettbewerb ausscheiden kann.

Es war in der Tat nicht das erste Mal, dass die Fans von Grêmio durch rassistische Sprechchöre auffielen. Allein in der laufenden Saison hat Grêmio bereits 25.000 Euro an Strafe gezahlt. Trainer Scolari, der den Klubs bereits mehrmals trainierte (1986, 1993-96) gilt nicht gerade als Antirassist. Im Gegensatz zur brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff, die sich im Vorfeld der WM klar gegen Rassismus im Fußball positionierte, vertrat Scolari die Ansicht, dass es besser sei, rassistische Vorfälle zu ignorieren und auf eine Bestrafung der betreffenden Vereine zu verzichten. "Schon diese Debatte ist Unsinn, weil sie einer Dummheit Bedeutung gibt", sagte er. Für Vorfälle dieser Art gebe es keine Lösung, denn "diese Idioten lernen niemals".

In Brasilien jedoch hat das Urteil ein Zeichen gesetzt. Carlos Albert Silva Junior, nationaler Gleichstellungsbeauftragter für die verschiedenen Volksgruppen des Landes, bezeichnete es als Aufgabe der Clubs, gegen Rassismus vorzugehen: "Sie müssen eine klare Haltung dazu haben, nicht nur bezüglich einer Bestrafung, sondern auch gegenüber Präventionsmaßnahmen, damit sich so etwas nicht wiederholt. Unterlassung ist auch eine Handlung." Zudem erinnerte er daran, dass "Rassismus in der Verfassung als Verbrechen benannt wird und dass deshalb dieser Typ von Verbrechen nicht ohne Antwort bleiben darf".

Es bleibt abzuwarten, inwieweit nun der südamerikanische Fußballverband CONMEBOL das Urteil des brasilianischen Verbandes CBF gegen Grêmio Porto Alegre zum Anlass nimmt, um weiterreichende Maßnahmen gegen den Rassismus im lateinamerikanischen Fußball einzuleiten.

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr