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30.09.2014 Kolumbien / Politik

Spionage gegen Regierungsvertreter bei Friedensgesprächen mit FARC

Wurde ausspioniert: Humberto de la Calle, Delegationsleiter von Kolumbiens Regierung bei den Friedensgesprächen mit den FARC

Wurde ausspioniert: Humberto de la Calle, Delegationsleiter von Kolumbiens Regierung bei den Friedensgesprächen mit den FARC

Havanna. Die E-Mails und Telefonate des Leiters der kolumbianischen Regierungsdelegation bei den Friedensgesprächen mit der FARC-Guerilla, Humberto de la Calle, sind ausspioniert worden. Dies teilte de la Calle bei einer Pressekonferenz am Samstag in Havanna mit.

Am vergangenen Freitag sei er vom kolumbianischen Geheimdienst Dipol informiert worden, dass in mindestens 17 Fällen versucht wurde, auf seinen Computer und den E-Mail-Account zuzugreifen. Dabei wurde Technologie eingesetzt, die es auch ermöglichte, E-Mails von seiner Adresse aus zu versenden. Der Delegationsleiter sagte weiter, dass auch die Gespräche über sein Mobilitelefon "infiltriert" worden seien. In einigen sozialen Netzwerken tauchten darüber hinaus weiterhin gefälschte Accounts und Profile auf, die er nie eröffnet habe.

Nach seiner Einschätzung sollen diese "illegalen Operationen" den Dialog-Prozess sabotieren.

Im Februar dieses Jahres war bekannt geworden, dass der militärische Geheimdienst Kolumbiens (CITEC) illegale Spionage gegen die Delegation der Regierung von Präsident Juan Manuel Santos bei den Friedensgesprächen mit der FARC-Guerilla betrieben haben soll (amerika21 berichtete). Die "Andrómeda" genannte Geheimoperation richtete sich unter anderem auch gegen Journalisten und Friedensaktivisten. Unklar blieb schon damals, wer hinter den Spionageaktivitäten stand. Die FARC machen den Ex-Präsidenten Álvaro Uribe dafür verantwortlich. Manche Medien verwiesen auf Kräfte innerhalb des Militärs, die gegen den Friedensdialog arbeiten.

Nur wenige Tage nach diesem Spionageskandal wurde bekannt, dass auch die privaten E-Mail-Konten von Präsident Santos ausgespäht wurden. Santos, der die CITEC-Praktiken zuvor vehement verteidigt hatte, kündigte darauf hin eine Untersuchung an, um die Verantwortlichen ausfindig zu machen. Ergebnisse sind bislang nicht bekannt geworden.

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