Südamerika / Politik

Unasur-Gipfeltreffen in Ecuador

Einführung eines gemeinsamen Passes für die 500 Millionen Einwohner Südamerikas beschlossen. Notwendigkeit eigener Institutionen betont

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Die Präsidenten Ecuadors und Boliviens, Rafael Correa und Evo Morales mit Unasur-Generalsekretär Ernesto Samper bei der Einweihung des ständigen Sitzes der Unasur
Die Präsidenten Ecuadors und Boliviens, Rafael Correa und Evo Morales mit Unasur-Generalsekretär Ernesto Samper bei der Einweihung des ständigen Sitzes der Unasur

Guayaquil/Ciudad Mitad del Mundo. In Anwesenheit der Staats- und Regierungsvertreter der zwölf Mitgliedsstaaten der Union Südamerikanischer Nationen (Unasur) ist der neue ständige Sitz der Unasur in Ciudad Mitad del Mundo (Mitte der Welt) in Ecuador eingeweiht worden. Er trägt den Namen des verstorbenen Präsidenten von Argentinien, Nestor Kirchner, der die erste Präsidentschaft von Unasur innehatte.

Laut Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, der am Donnerstag in Ecuador eintraf, standen Fragen der Wirtschaft und der Verteidigung im Mittelpunkt des Gipfeltreffens. Er plädierte für eine gemeinsame Ausbildung südamerikanischer Militärs unter Leitung des Unasur-Verteidigungsrates und "mit unserer eigenen Verteidigungsdoktrin".

Mit der Einweihung am vergangenen Freitag endeten mehrere Tage von Aktivitäten im Rahmen von Unasur. Ein Ergebnis des achten Gipfels der Präsidenten und des Treffens der Außenminister ist die Einführung eines gemeinsamen Passes für die 500 Millionen Einwohner Südamerikas.

Begonnen hatte das Programm anlässlich des Gipfels in Guayaquil mit dem internationalen Seminar "Die Integration Südamerikas und die Konvergenzen der Integrationsprozesse", das am Mittwoch und Donnerstag stattfand. Die Redner des Seminars betonten die Notwendigkeit der weiteren Integration Lateinamerikas. Einigkeit bestand darin, dass die Bekämpfung der Ungleichheit und der Armut sowie die Reduzierung der Ungleichheiten zwischen den Ländern Schwerpunkte des Bündnisses sind. Neben Fachleuten nahmen auch Vertreter der verschiedenen regionalen Institutionen teil. Ziel müsse es sein, dass Südamerika mit einer Stimme spreche, damit die Region sich auch international Gehör verschaffen könne.

Unasur-Generalsekretär Ernesto Samper und Brasiliens Ex-Präsident Inacio Lula da Silva betonten in ihren Reden die Notwendigkeit eigener Institutionen Südamerikas. Internationale Institutionen wie die Welthandelsorganisation (WTO), der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank schränken nach Auffassung Sampers die Souveränität der Staaten ein. Lula trat für eigene Schlichtungsinstanzen bei Differenzen ein. Der Präsident von Ecuador, Rafael Correa, betonte die Notwendigkeit der Schaffung einer unabhängigen Finanzarchitektur mit einer regionalen Währung. Die Bank des Südens und die virtuelle Währung Sucre bildeten wichtige Instrumente dafür, so Correa.

Der Präsident von Uruguay, José Mujica, dem die temporäre Präsidentschaft der Unasur von Surinam übergeben wurde, erhielt bei einer Veranstaltung zu seinen Ehren den höchsten Orden Ecuadors. In seiner Rede bedankte er sich für die Anerkennung seiner Person und sprach dann speziell die Jugend an. Sie solle sich nicht vom Kapital versklaven lassen, sondern "für das Glück kämpfen", das darin liege, dem Leben einen Inhalt zu geben. Er erinnerte an die Verantwortung der Menschheit für die bestehenden Katastrophen. Sie lasse zu, dass es eine immer größere Schere zwischen Arm und Reich gebe und Geld für Waffen da sei, aber nicht zur Bekämpfung des Hungers. "Noch nie hat es so viel Ungleichheit gegeben in einer Welt, die alle Möglichkeiten hat", so Mujica.

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