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Morddrohungen gegen Medien-Mitarbeiter in Kolumbien

Telesur auch betroffen. Sabotage des Friedensdialoges und Recherchen zu Paramilitarismus in Venezuela gelten als Motiv. Geheimdienste möglicherweise verwickelt
Elektronisches Kommuniqué, dessen Absender sich als Bloque Capital der Águilas Negras (Hauptstadtblock der Schwarzen Adler) vorstellt.

Elektronisches Kommuniqué, dessen Absender sich als Bloque Capital der Águilas Negras (Hauptstadtblock der Schwarzen Adler) vorstellt.

Bogotá. In einem elektronischen Kommuniqué, dessen Absender sich als Bloque Capital der Águilas Negras (Hauptstadtblock der Schwarzen Adler) vorstellt, werden die Mitarbeiter des lateinamerikanischen Fernsehsenders Telesur, des öffentlichen linken Fernsehkanals "Canal Capital" aus Bogota und der "Agentur Reporter ohne Grenzen" (RSF)1 mit dem Tod bedroht. "Sie ziehen die Helden des Vaterlandes in den Schmutz, jene Kolumbianer, die den lateinamerikanischen Kontinent frei von Terroristen sehen wollen", heißt es in dem Schreiben, das ihnen 30 Tage "zum Verschwinden" aus Kolumbien gibt.

Die drei Medien werden als "Hurensöhne und Diener des Castro-Chavismus" bezeichnet. Ihnen und "ignoranten Politikern und Menschenrechtlern" wird außerdem vorgeworfen, Sprachrohr der Friedensverhandlungen zu sein. Derartige Vorwürfe hatte der Senator und Ex-Präsident Álvaro Uribe am 17. September bereits erhoben, als er Telesur und Canal Capital "Diener des Terrorismus" nannte.

José Luis Mayorga, Leiter der Lateinamerikaabteilung der Agentur Reporter ohne Grenzen, führt die Drohungen gegen die RSF auf ihre Recherchen an der Grenze zwischen Kolumbien und Venezuela zurück. Dort stelle die Agentur Nachforschungen über die Aktivitäten von Paramilitärs in Venezuela an, die mit kolumbianischen Unternehmern, Industriellen und Politikern verbunden seien. Ein Teil der Untersuchungen beziehe sich auf den Mord am sozialistischen Abgeordneten Robert Serra (amerika21 berichtete). Laut Mayorga sei zudem die Sabotage des Friedensdialoges zwischen FARC-Guerilla und kolumbianischer Regierung ein wichtiges Motiv. Viele Unternehmer und Politiker hätten kein Interesse am Frieden.

Wenige Tage später haben auch 16 Journalisten und 13 alternative Medien in Kolumbien Morddrohungen durch einen elektronischen Brief bekommen, der ebenfalls mit dem Namen Águilas Negras unterschrieben war. Dort werden sie als "terroristische Hurensöhne" beschimpft und als Guerillamitglieder bezichtigt. Es handle sich offenbar um eine psychologische Operation, um Unterstützer des Friedens und der sozialen Gerechtigkeit zu erschrecken, so die Ökumenische Kommission Justicia y Paz.

So werden die Betreiber der Webseite "Galería de la memoria" (Galerie des Gedächtnisses), wo Fotos von Mobilisierungen sozialer Bewegungen und Gewaltopfern veröffentlicht werden, mit dem Tod bedroht, weil sie "die Ehre unserer Soldaten und Polizisten beschmutzen". Außerdem versichern die Absender, die Mitarbeiter des linken Nachrichtenportals Colombia Informa "lebend zu verbrennen" und die Journalisten von Contagio Radio "zu zerstückeln und in den Fluss zu werfen", wenn sie nicht spätestens am 1. Januar die Stadt verlassen haben.

Die Schwarzen Adler seien allerdings keine paramilitärische Organisation wie man sie früher kannte oder wie die heutige Gruppe Los Urabeños, so der Journalist und Gründer der Stiftung für Pressefreiheit (FLIP), Ignacio Gómez. Es scheine eher ein Name zu sein, den verschiedene Personen oder Gruppen bei unterschiedlichen Gelegenheiten benutzen, um Menschen einzuschüchtern. Bemerkenswert sei, dass sie über Zugang zu großen Mengen von persönlichen Informationen verfügten. Der Journalist vermutet, dass solche Daten durch Hacker-Aktionen gesammelt werden, bei denen die Verwicklung der Geheimdienste des Militärs in die Sammlung der Informationen sehr wahrscheinlich sei. Auffällig sei ebenso, dass die Staatsanwaltschaft bisher keine seriösen Untersuchungen durchgeführt habe. Schließlich sei es einfach, die E-Mail-Adresse zu verfolgen, von der die Drohungen geschickt werden.

  • 1. nicht identisch mit der internationalen Nichtregierungsorganisation Reporter ohne Grenzen
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10.12.2014 Nachricht von Eric Cortés