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CIDH besorgt über Situation der Mapuche in Chile

Unternehmen verletzten Menschenrechte der Indigenen. Mapuche-Organisationen klagen gegen geplantes Wasserkraftwerk des europäischen Enel-Konzerns
Hier soll das Wasserkraftwerk Neltume des transnationalen  Enel-Konzerns entstehen

Hier soll das Wasserkraftwerk Neltume des transnationalen Enel-Konzerns entstehen

Washington/Neltume. Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) hat sich am 17. März mit Menschenrechtsverletzungen befasst, die Unternehmen indigenen Völkern in Chile zufügen. Exemplarisch ging es um den geplanten Stausee und das Wasserkraftwerk des transnationalen Unternehmens Enel-Endesa in Neltume. Mapuche-Organisationen hatten Klage eingereicht und fordern die Befragung der betroffenen indigenen Gemeinden vor der Durchführung des Projekts.

Der geplante Stausee soll Land überschwemmen, das den Mapuche als heilig gilt. Dies stelle eine klare Verletzung der Konvention 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (IAO) dar, die Chile unterzeichnet hat. Das Projekt habe massive ökologische Auswirkungen in der Region, was ebenfalls gegen die Konvention 169 verstoße. Es stehe darüber hinaus im Widerspruch zur von Chile unterzeichneten UN-Erklärung über die Menschenrechte indigener Völker – unter anderem, da es Ressourcen in indigenem Gebiet ausbeutet, die diese selbst sollten nutzen können.

Die Mapuche-Organisationen Observatorio Ciudadano und Parlamento Mapuche de Koz Koz sind an die CIDH herangetreten, um nicht nur über das Projekt in Neltume zu verhandeln, sondern generell die Situation von indigenen Völkern in Chile zu thematisieren. Diese sei geprägt von Enteignungen, der Zerstörung ihres Landes durch Extraktivismus und der Kriminalisierung politisch organisierter Mitglieder indigener Gemeinschaften.

Neltume ist nur eines von vielen Projekten in Chile, die Ressourcen ausbeuten, welche die Mapuche für sich beanspruchen. Die Enteignung von Mapuche-Ländereien hat im Süden des Landes eine lange und komplexe Geschichte. In den Gebieten, die nach der spanischen Eroberung lange unter Kontrolle der Indigenen blieben, wurden nach der Eroberung durch die chilenische Armee Ende des 19. Jahrhunderts viele Mapuche-Gemeinden enteignet. Der chilenische Staat sprach ihre Ländereien Firmen und Siedlern zu, wobei die Ansiedlung europäischstämmiger Personen gefördert wurde. Für die Mapuche wurden zwei Kolonien geschaffen, zudem wurden ihnen als Ersatz kleine und oft unfruchtbare Parzellen zugesprochen. Selbst von diesen wurden sie von Unternehmern und Großgrundbesitzern vertrieben – durch erschlichene Verträge oder durch Gewalt. Aufgrund der Enteignungen können heute die meisten Mapuche nicht an dem Ort ihrer Vorfahren leben.

Nach den Agrarreformen, durch die ab den späten 50er-Jahren der traditionelle Großgrundbesitz aufgeteilt wurde, blieben Mapuche weiterhin benachteiligt. Viele leben noch heute auf unfruchtbaren Parzellen oder sonst in großer Armut. Die Region der Araucanía, wo die meisten Mapuche leben, ist heute die ärmste Region Chiles.

Die geltenden Bestimmungen für die Rohstoffgewinnung in Chile erlauben die Privatisierung der natürlichen Ressourcen. Unter der Regierung von Sebastian Piñera wurden Dekrete erlassen, welche die Beziehungen zwischen Unternehmen und lokalen Gemeinschaften regeln. Vorabbefragungen, die gemäß ILO-Konvention durchgeführt werden müssen, sind darin nicht vorgesehen. Bereits im Jahr 2014 hatte die CIDH Chile aufgefordert, diese Dekrete zu revidieren, was bis heute jedoch nicht geschehen ist. Nun hat die Kommission ihre Forderung wiederholt und Chile aufgefordert, diesbezüglich Informationen vorzulegen. Die CIDH zeigte sich zudem besorgt über den Privatbesitz von Wasserressourcen in Chile.

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