Großbritannien verstärkt Militär auf Malwinen

Militär auf der Inselgruppe soll wegen vermeintlicher Bedrohung verstärkt werden. Spionage gegen argentinische Militärstrategie

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Argentinien, unten die Islas Malvinas (Falkland-Inseln)
Argentinien, unten die Islas Malvinas (Falkland-Inseln)

Buenos Aires/London. Großbritannien will Berichten des Verteidigungsministeriums zufolge sein Militär auf der Inselgruppe der Malwinen (Falklandinseln) modernisieren und aufstocken. Die Regierung in London beruft sich dabei auf die Annahme, es bestünde die erhöhte Gefahr einer Invasion der Argentinier in dem britische Überseegebiet. Laut Verteidigungsminister Michael Fallon "wolle man für jegliche Bedrohung gewappnet sein und die Inseln mit Luft- und maritimer Abwehr ausreichend schützen".

Dazu sollen bis Mitte nächsten Jahres zwei Transporthubschrauber des Typs Chinook entsandt werden und die Einrichtungen in Mount Pleasant sowie Kommunikationsanlagen der Royal Air Force modernisiert werden. Insgesamt sind in den nächsten zehn Jahren Investitionen von umgerechnet rund 240 Millionen Euro in militärische Einrichtungen auf den Malwinen geplant.

Vorausgegangen war den Äußerungen Fallons zur Verteidigungslage die Meldung einer britischen Boulevardzeitung. Demnach rüste Argentinien mit Hilfe russischer Kampfflugzeuge auf den Südatlantikinseln auf. Dies sei mit Russlands Präsident Wladimir Putin während seines Staatsbesuchs in Argentinien im vergangenen Juli beschlossen worden. Im Interview mit dem britischen Rundfunk BBC erklärte Fallon jetzt, dass das Abkommen mit Russland nicht offiziell bestätigt sei. Der andauernde Territorialkonflikt bleibe aber eine "tatsächliche Bedrohung".

Fallons argentinischer Amtskollege Agustín Rossi bezeichnete die vermeintliche Aufrüstungsabsicht als "verrückt". Sein Land erwäge "weder, die militärische Ausstattung vor Ort zu erweitern, noch verfolge es eine politische Strategie für einen erneuten militärischen Konflikt", so der Minister.

Zudem wurden Anfang April Spionagevorwürfe gegen Großbritannien bekannt. Wie der argentinische Nachrichtensender TN unter Berufung auf Informationen aus dem Reporter-Umfeld von Edward Snowden berichtet, soll das Land das argentinische Militär und die politische Führung ausspioniert haben, um eine eventuelle militärische Strategie der Argentinier in Bezug auf die Inseln vorhersehen zu können.

Auf den Spionagevorwurf reagierte die argentinische Regierung bislang mit keiner offiziellen Stellungnahme. Anlässlich des 33. Gedenktages zum 1982 geführten Krieg um die Malwinen bekräftigten die Regierungen von Uruguay und Venezuela am 2. April ihre Unterstützung des argentinischen Anspruchs auf die Inselgruppe.

Auf die Seite Argentiniens in dieser Frage hatte sich auch Russlands Präsident Putin während seiner Lateinamerika-Reise Mitte letztes Jahr gestellt. Putin unterstützte die Forderung des südamerikanischen Landes, eine Verhandlungslösung zur Zugehörigkeit der ressourcenreichen Inseln Georgias del Sur und Sandwich del Sur sowie des umliegenden maritimen Territoriums zu suchen.

Anfang Mai wählen die Briten ein neues Parlament. Die Äußerungen Michael Fallons über eine vermeintliche Bedrohung der Interessen Großbritannien sind in diesem Zusammenhang zu sehen und dienen einem nationalistischen Kurs, auf dessen Basis sich Großbritannien als Überseemacht behaupten will. Angesichts der Kosten ist fraglich, ob dieses Kalkül aufgeht. Denn auch in Großbritannien hat die Eurokrise zu Debatten über den Staatshaushalt geführt. Die Unterhaltung des dünn besiedelten, entlegenen Überseeterritoriums kostet immerhin jährlich Steuermittel in Höhe von umgerechnet über einhundert Millionen Euro.

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