Hungerstreik bei Coca-Cola in Kolumbien

Die Firma stellt Kriminelle und Familienangehörige von Paramilitärs ein. Proteste und Eintritt in die Gewerkschaft werden heftig unterdrückt

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Streikende auf dem Platz Plaza de Bolívar in Bogotá
Streikende auf dem Platz Plaza de Bolívar in Bogotá

Bogotá. Fünf Arbeiter von Coca-Cola und Angehörige der Lebensmittelgewerkschaft Sinaltrainal sind diese Woche in den Hungerstreik getreten. Sie fordern die Beteiligung der Regierung an der Lösungsfindung in Bezug auf die Beschwerden der Coca-Cola-Belegschaft zu der Sicherheitssituation der Gewerkschaftsmitglieder, den schlechten Arbeitsbedingungen in den Konzernfabriken und der irrationalen Nutzung der Wasserversorgung.

In einem Kommuniqué lehnte Sinaltrainal die Entscheidung von Coca-Cola ab, die Frau des inhaftierten Paramilitärs Wilfred Martínez im Werk der Stadt Barrancabermeja einzustellen. Neben zwei anderen Paramilitärs habe Martínez in der Vergangenheit die Eröffnung von Prozessen gegen die Gewerkschafter Juan Carlos Galvis und William Mendoza durch Falschaussagen veranlasst.

Auch ein Mitglied der kriminellen Bande Canoeros gehörte bis Februar 2015 zur Belegschaft des Getränkeunternehmens. Seine Aufgabe sei gewesen, Mitglieder von Sinaltrainal zu bespitzeln.  

Ebenso kritisierten die Streikenden die repressive Politik von Coca-Cola. Ende 2014 sei die Spezialeinheit zur Aufstandsbekämpfung, Esmad, mit Panzerwagen in das Medelliner Werk eingedrungen, um protestierende Leiharbeiter anzugreifen. Danach seien alle, die bei Sinaltrainal eingetreten waren, entlassen worden. Das Getränkeunternehmen habe außerdem in der nordwestlichen Stadt Bucaramanga eine private Sicherheitseinheit gebildet, um internen Protesten selbst gegenüberzutreten.

Weiterhin forderten die Teilnehmer des Hungerstreiks Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Hunderte von Arbeitern seien wegen der technisch unsicheren Arbeitsbedingungen krank, viele seien nach Arbeitsunfällen behindert. Es gebe auch Todesfälle, bei denen Mitarbeiter von Maschinen erschlagen oder von Lieferwagen überrollt worden seien. Coca-Cola habe bisher jedoch keine Verantwortung beziehungsweise Kosten dafür übernommen.

Problematisch fanden die Gewerkschafter außerdem, dass das multinationale Unternehmen Feuchtgebiete in der Nähe Bogotás verseucht habe und sich übermäßige Wassermengen aneigne. Das Unternehmen schulde der Stadt 46 Milliarden Peso (18,4 Mio. Euro) für die Wasserversorgung. Ein geplantes Werk in Tocancipá, einem Vorort von Bogotá, würde 68,58 Prozent des Wasserkontingents von diesem Gemeindebezirk in Anspruch nehmen. Die bevorstehende Eröffnung soll darüber hinaus die Schließung einer größeren Fabrik und somit die Entlassung von über 1.000 Arbeitern bedeuten.

In der Vergangenheit sind zwölf kolumbianische Coca-Cola-Arbeiter ermordet worden. Es gab auch Angriffe auf die Familien der organisierten Angestellten des Konzerns und etwa 68 Todesdrohungen. Des Weiteren hat das multinationale Unternehmen Prozesse gegen mehr als 30 engagierte Gewerkschafter in Gang gesetzt. Obwohl die Zeitschrift "Cambio" Ende der Neunzigerjahre über heimliche Treffen zwischen Verwaltungsangehörige von Coca-Cola und Paramilitärs berichtet hat, gibt es in Kolumbien keine Untersuchung gegen den Konzern.

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