Chile / Menschenrechte

Harte Kritik an Michelle Bachelet wegen Hungerstreik von Ex-Gefangenen

luis_sepulveda_-_crl_-_universite_toulouse_le_mirail_-_octobre_2013.jpg

Der Autor des offenen Briefes, der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda
Der Autor des offenen Briefes, der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda

Santiago de Chile. Der chilenische Schriftsteller Luis Sepúlveda hat in einem offenen Brief an Chiles Präsidentin Michelle Bachelet klare Worte zu dem seit über drei Wochen andauernden Hungerstreik der 70 ehemaligen politischen Gefangenen (amerika21 berichtete) gefunden. Er verweist darauf, dass die nach ihrem Vorsitzenden Sergio Valech Aldunate benannten, 2001 ins Leben gerufenen Wahrheitskommissionen Valech I und II 38.254 Chileninnen und Chilenen offiziell zu Opfern politischer Verfolgung und Folter während der Diktatur erklärt haben. "Eine grässliche Zahl", der sich auch Sepúlveda selbst sowie Bachelet zurechnen können, "weswegen wir nicht untätig bleiben dürfen in Anbetracht des Leidens dieser Männer und Frauen, die unter Einsatz ihres Lebens die verfassungsmäßige Regierung Salvador Allendes zu verteidigen versucht haben."

Weiterhin erwähnt Sepúlveda den 2014 von der Menschenrechtsabteilung des chilenischen Innenministeriums veröffentlichten Bericht, in dem auch der Tod von knapp 8.000 der 38.254 Opfer politischer Verfolgung thematisiert wird, die "verarmt und in Elend gestorben sind, mit Opferrenten, die stets nur für wenige Tage des Monats die notwendigsten Bedürfnisse decken konnten."

Mit Blick auf die physischen Gefahren, in die sich die Hungerstreikenden aufgrund ihres Alters begeben, erinnert Sepúlveda Bachelet an den Grad der Verzweiflung dieser Männer und Frauen, der sie zu dem Hungerstreik als ultima ratio bewegt habe. Und dies laut Sepúlveda nicht, "um um Almosen zu betteln, sondern um ein Recht einzufordern", die Erhöhung der staatlichen Renten auf "angemessene Beträge, die den täglichen menschlichen Bedürfnissen sowie den Notwendigkeiten eines Menschen in seinem Lebensalter gerecht werden".

Nachdem er die Präsidentin erneut ausdrücklich zum Handeln auffordert, erinnert Sepúlveda noch einmal an den Impetus seines offenen Briefs, indem er Bachelet erklärt, dass sie seinen Brief nicht als Angriff auf ihre Autorität verstehen dürfe, sondern als "schmerzvolle Worte eines Schriftstellers und ehemaligen politischen Gefangenen an jene ehemalige politische Gefangene, die heute durch Entscheidung der chilenischen Gesellschaft das höchste Amt Chiles innehat."

Unterstützen Sie amerika21 mit einer Spende via Flattr